Nichts ist je vollendet
Tradition sei nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers, hatte Gustav Mahler sich erhitzt. Mit ruhigerem Puls und wortreicher, aber sonst völlig d'accord formulierte es einmal Luciano Berio im Interview für diese Zeitschrift: «Ich habe immer daran geglaubt, dass die Zukunft sich nur aus der Vergangenheit entwickeln kann. Im Zusammenhang mit meinen Bearbeitungen fremder Kompositionen sagte ich einmal, sie seien ein Tribut an den Gedanken, dass vielleicht nichts an sich jemals vollendet ist ...
» Ganz in diesem Sinne sind auch seine Bearbeitungen früher Lieder Gustav Mahlers zu verstehen, die hier nun von Matthias Goerne und dem BBC Symphony Orchestra unter Josep Pons präsentiert werden.
Der junge Gustav Mahler habe, so meinte Bruno Walter, die Begegnung mit der «Wunderhorn»-Sammlung Brentanos und von Arnims als «Begegnung mit seiner eigenen geistigen Heimat» empfunden. Dem entgegnete der Musiksoziologe Kurt Blaukopf in seiner Mahler-Biografie, solch affirmative Wertung lasse die Kritik außer Acht, die der Komponist an den von ihm gewählten Texten musikalisch geübt habe, etwa durch die Unmittelbarkeit und Härte, mit der Dur und Moll ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Gerhard Persché
Schon der Trabi, der vor der giftgrünen Waldkulisse parkt, sorgt für Heiterkeit. Als ein riesenhafter Wiedergänger des Sandmännchens, das hier den Erzähler gibt, auf die vorn ausgerollte Kunstwiese wackelt, erfasst das kichernde Entzücken den ganzen Saal. Jirí Nekvasil lässt Orffs «Mond» auf der großen Bühne des Prager Nationaltheaters eine DDR-Kulturlandschaft...
Am Ende bleibt der übrig, den man sonst gern übersieht: In Tatjana Gürbacas furioser Antwerpener Neudeutung des «Holländer»-Stoffes rappelt sich nach dem irrwitzigen finalen Höllentrubel im zuckenden Stroboskop-Licht nur Erik wieder auf, um stolpernd und schwankend dem Schlachtfeld zu entkommen, auf das alle anderen wie entseelt niedergesunken sind. Gelingt...
Knapp sieht anders aus. Exakt 1516 der notwendigen 10562 Unterschriften fehlten für ein Bürgerbegehren. Monatelang hatte die Initiative gegen die Augsburger Theatersanierung ein Geheimnis um den Stand ihrer Sammlung gemacht, am Ende stand sie kräftig blamiert da: Fantasienamen, Unterzeichnende, die minderjährig sind oder nicht in der Fuggerstadt wohnen; zudem...
