Kleines großes Welttheater

Carl Orffs «Die Kluge» und «Der Mond» in Prag, Bartóks «Blaubart» und Schönbergs «Erwartung» in Brünn

Opernwelt - Logo

Schon der Trabi, der vor der giftgrünen Waldkulisse parkt, sorgt für Heiterkeit. Als ein riesenhafter Wiedergänger des Sandmännchens, das hier den Erzähler gibt, auf die vorn ausgerollte Kunstwiese wackelt, erfasst das kichernde Entzücken den ganzen Saal. Jirí Nekvasil lässt Orffs «Mond» auf der großen Bühne des Prager Nationaltheaters eine DDR-Kulturlandschaft beleuchten, die nur noch in der Erinnerung lebt – so wie jene archaisch-mystische Verbundenheit des Menschen mit Natur und Kosmos, die der Komponist in seinem Opernerstling aus dem Jahr 1939 beschwört.

Ein zeitloses, bei den Gebrüdern Grimm geborgtes Märchen aus ferner Vergangenheit, uraufgeführt mitten in brauner Schreckenszeit. Nekvasil liest Orffs gestisch-erdige, magisch pulsierende Version der Mär von den vier Burschen, die den Mond vom Himmel holen und mit ins Grab nehmen, als Zeugnis einer Flucht, als ein nostalgisch-zeremonielles Zurück zu den Wurzeln des bedrohten Lebens. Und er gibt dieser Haltung ein historisches Flair, das in Tschechien (noch) fast jeder kennt: Ostalgie, made in GDR.

So versammeln sich die Mädels vom Czech Philharmonic Children’s Choir (Jirí Chvála) am Anfang und Ende in Schlafanzügen vor einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Impressum

  Impressum

57. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752295

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55 
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de

Redaktionsschluss dieser Ausgabe 
war der 08.11.2016

Redaktion
Jürgen Otten, Wiebke Roloff
Albrecht...

Zum Herzen

Das größte Kompliment, das Mozart je einer Sängerin machte, galt der von ihm nicht nur als Gesangskünstlerin angehimmelten jungen Aloysia Weber: Sie habe die für sie komponierte Konzertarie «Non sò d’onde viene» KV 294 mit genau jenem Geschmack (gusto), jener Methode (metodo) und jenem Ausdruck (espressione) gesungen, die er sich gewünscht habe. Von Gesangstechnik...

Mitte des Ausdrucks

Den Goethe-Liedern von Schubert (August 2015) lässt der Tenor Mauro Peter knapp ein Jahr später ein veritables Schumann-Album folgen. Zwar gibt auf dem Cover der bedeutende Heine-Zyklus «Dichterliebe» op. 48 den Ton an, doch bilden die folgenden ausgewählten Gesänge (neben den Fünf Liedern op. 40 weitere zehn Heine-Vertonungen) mehr als bloß Beiwerk. Und dies nicht...