Nicht um jeden Preis
Herr Güra, Sie sind in Sachen Musik genetisch vorbelastet. Ihr Vater war Tubist an der Bayerischen Staatsoper. Welche Musik hat Sie als Kind am meisten geprägt?
Wagner. Das war dem einfachen Umstand geschuldet, dass mein Vater wegen seines
Instruments nur Karten ab Wagner aufwärts bekommen hat. So habe ich diese Musik als Erstes kennengelernt, und deswegen waren Werke mit Rezitativen oder Dialogen für mich auch keine Opern.
Ein Einstieg mit kindgerechtem Repertoire…
Ich finde, dass Wagner eine geradezu pubertäre Sprache verwendet.
Er lässt nichts aus, um Gefühle abzubilden, und er lässt seine Figuren diese Gefühle perfekt durchleben. Außerdem verlangt er am Ende seiner Stoffe immer eine Lösung der Probleme, meist in Form von Erlösung. Insofern – das klingt jetzt vielleicht paradox – waren mir seine Opern verständlicher als beispielsweise die von Mozart: Dessen Werke befassen sich mit Themen, die uns nicht immer irdisch vorkommen. Außerdem ist seine Musik viel komplexer.
Und subtiler?
In ihrer Zweideutigkeit auf jeden Fall. Mozart bringt es fertig, dass auf der Bühne Trauer und Empörung herrschen, während unten im Graben die Fagotte kleine Läufe spielen und so das Ganze ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Flüchten und ankommen. In dieser Spannung ist wohl auch der «Olympier» Richard Strauss zu sehen, dessen – von seinen literarischen Mitarbeitern wie Hugo von Hofmannsthal oder Joseph Gregor heftig geförderte – Griechenland-Manie vielfältig motiviert gewesen sein muss. Als Jugenderlebnis ausschlaggebend sicherlich Nietzsches flammende Altphilologie, dabei aber auch...
Wieder einmal herrscht Endzeitstimmung in der Staatsoper Stuttgart. Wie schon in seiner Inszenierung des «Fliegenden Holländer» vor zwei Jahren (siehe OW 3/2008) stellt Calixto Bieito seine Auseinandersetzung mit Wagners «Parsifal» unter den Aspekt universeller Zerstörung. Den Zuschauer empfängt, noch bevor das Vorspiel einsetzt, eine apokalyptische Landschaft –...
Eigentlich liegt die Passionszeit hinter uns. Eigentlich sollten wir uns mit freiem Blick und geläutertem Herzen auf das Pfingstwunder freuen. Auf jene magische Geschichte vom Heiligen Geist, der in die Jünger fährt und ihnen die Gabe verleiht, sich in allen Sprachen zu verständigen. Doch was der Kirchenkalender verkündet, gilt schon längst nicht mehr für die...
