Nicht um jeden Preis
Herr Güra, Sie sind in Sachen Musik genetisch vorbelastet. Ihr Vater war Tubist an der Bayerischen Staatsoper. Welche Musik hat Sie als Kind am meisten geprägt?
Wagner. Das war dem einfachen Umstand geschuldet, dass mein Vater wegen seines
Instruments nur Karten ab Wagner aufwärts bekommen hat. So habe ich diese Musik als Erstes kennengelernt, und deswegen waren Werke mit Rezitativen oder Dialogen für mich auch keine Opern.
Ein Einstieg mit kindgerechtem Repertoire…
Ich finde, dass Wagner eine geradezu pubertäre Sprache verwendet.
Er lässt nichts aus, um Gefühle abzubilden, und er lässt seine Figuren diese Gefühle perfekt durchleben. Außerdem verlangt er am Ende seiner Stoffe immer eine Lösung der Probleme, meist in Form von Erlösung. Insofern – das klingt jetzt vielleicht paradox – waren mir seine Opern verständlicher als beispielsweise die von Mozart: Dessen Werke befassen sich mit Themen, die uns nicht immer irdisch vorkommen. Außerdem ist seine Musik viel komplexer.
Und subtiler?
In ihrer Zweideutigkeit auf jeden Fall. Mozart bringt es fertig, dass auf der Bühne Trauer und Empörung herrschen, während unten im Graben die Fagotte kleine Läufe spielen und so das Ganze ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wie für viele deutsche Theater traf auch für die Dresdner Semperoper der Begriff «Stunde null» nicht nur in ideologischem, sondern auch in ganz praktischem Sinn zu. Die Staatskapelle war in den nahen Kurort Bad Brambach evakuiert worden, die Sänger waren in alle Winde zerstreut, und selbst ein intaktes Ensemble hätte sich in der zerstörten Stadt zunächst einmal...
Dass sich hinter Franz Schuberts Opernfragment «Sakontala» allerlei musikalische Preziosen verbergen, weiß man spätestens seit dem Mitschnitt der Uraufführung bei den Musiktagen Bad Urach unter Frieder Bernius. Freilich machen elf Nummern, selbst wenn sie so gelungen rekonstruiert sind wie hier von Karl Aage Rasmussen, noch keine Oper. Vielleicht hat sich deshalb...
Das Positive vorab: Mit der Uraufführung von «Luther», der so bezeichneten «neoromantischen Oper» von Roland Baumgartner und Rolf Rettberg, hat das Theater Hof seine Leistungsfähigkeit bewiesen. Über zwanzig Solisten, dazu Chor, Extrachor, Kinderchor, Ballett und Statisterie summieren sich – die Bühnenmusik und die agilen Hofer Symphoniker unter Musikdirektor Arn...
