Heilige, Hexen und Huren

Hof: Baumgartner: Luther

Opernwelt - Logo

Das Positive vorab: Mit der Uraufführung von «Luther», der so bezeichneten «neoromantischen Oper» von Roland Baumgartner und Rolf Rettberg, hat das Theater Hof seine Leistungsfähigkeit bewiesen. Über zwanzig Solisten, dazu Chor, Extrachor, Kinderchor, Ballett und Statisterie summieren sich – die Bühnenmusik und die agilen Hofer Symphoniker unter Musikdirektor Arn Goerke noch nicht mitgezählt – auf über achtzig Mitwirkende, die sich in Barbara Schwarzenbergers gefällig historisierenden Kostümen zu einem beeindruckenden Schlussbild formieren.

Rolf Rischer sorgt mit schnell wandelbaren Bühnenbauten und Projektionen dafür, dass immer wieder andere Schauplätze für die neunzehn chronologischen Bilder des Stücks aufscheinen. Da wechselt kirchliche und klösterliche Abgeschiedenheit mit weltlichem Prunk im Rom des 16. Jahrhunderts und beim Reichstag zu Worms, da treten Heilige, Hexen und Huren auf.

Das Problem besteht darin, dass das Stück nicht hält, was es verspricht. Man hat den Eindruck, dass die von der katholischen Kirche so empfundene Hybris des Titelhelden auf die Verantwortlichen abgefärbt hat: «Luther» ist mitnichten eine «neoromantische Oper in zwei Aufzügen», sondern von Text ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Monika Beer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verloren im Puppenwald

Es gehört Mut dazu, eine Opernproduktion schon nach der ersten Bühnenprobe abzublasen, weil sich abzeichnet, dass das Konzept nicht trägt und überladen ist. So geschehen im letzten Herbst in Duisburg. Intendant Christoph Meyer hatte einen Stopp verordnet, weil David Hermanns Arbeit an Verdis «Rigoletto» zu viele offene Baustellen enthielt. Zu einer solchen Absage...

Editorial

Eigentlich liegt die Passionszeit hinter uns. Eigentlich sollten wir uns mit freiem Blick und geläutertem Herzen auf das Pfingstwunder freuen. Auf jene magische Geschichte vom Heiligen Geist, der in die Jünger fährt und ihnen die Gabe verleiht, sich in allen Sprachen zu verständigen. Doch was der Kirchenkalender verkündet, gilt schon längst nicht mehr für die...

Gewieft, gescholten, geliebt

Er sei einfach der «aller-, allerbeste Intendant der Welt», schrieb die Fränkin Waltraud Meier, als der Franke Wolfgang Wagner 75 wurde. Sie brachte damit zum Ausdruck, was alle dachten und spürten: dass dieser Enkel des großen Richard motivieren konnte wie kein zweiter Theaterchef. Weil er immer da war, wenn man ihn brauchte, ansprechbar, offen, nie um eine (oft...