Heilige, Hexen und Huren
Das Positive vorab: Mit der Uraufführung von «Luther», der so bezeichneten «neoromantischen Oper» von Roland Baumgartner und Rolf Rettberg, hat das Theater Hof seine Leistungsfähigkeit bewiesen. Über zwanzig Solisten, dazu Chor, Extrachor, Kinderchor, Ballett und Statisterie summieren sich – die Bühnenmusik und die agilen Hofer Symphoniker unter Musikdirektor Arn Goerke noch nicht mitgezählt – auf über achtzig Mitwirkende, die sich in Barbara Schwarzenbergers gefällig historisierenden Kostümen zu einem beeindruckenden Schlussbild formieren.
Rolf Rischer sorgt mit schnell wandelbaren Bühnenbauten und Projektionen dafür, dass immer wieder andere Schauplätze für die neunzehn chronologischen Bilder des Stücks aufscheinen. Da wechselt kirchliche und klösterliche Abgeschiedenheit mit weltlichem Prunk im Rom des 16. Jahrhunderts und beim Reichstag zu Worms, da treten Heilige, Hexen und Huren auf.
Das Problem besteht darin, dass das Stück nicht hält, was es verspricht. Man hat den Eindruck, dass die von der katholischen Kirche so empfundene Hybris des Titelhelden auf die Verantwortlichen abgefärbt hat: «Luther» ist mitnichten eine «neoromantische Oper in zwei Aufzügen», sondern von Text ...
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Die großen alten Mythen wie Medea oder Phädra (um zwei aktuelle Beispiele zu nennen) haben derzeit Konjunktur auf der Opernbühne, und die Literaturoper, die einen literarischen oder theatralen Text mehr oder weniger eins zu eins in Musik zu übersetzen sucht, ist nach wie vor dominant. Jörg Widmann und Roland Schimmelpfennig sind in ihrem Werk den anderen,...
Herr Rousset, Sie stammen aus Avignon und sind in Aix-en-Provence aufgewachsen. In der Provence stößt man überall auf Monumente der Geschichte: Pont du Gard, Papstpalast, die römische Arena in Nîmes usw. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Gegenwart der Vergangenheit in diesen Städten und Ihrer Vorliebe für Alte Musik?
Das kann man wohl sagen. Als ich zur Schule...
Er sei einfach der «aller-, allerbeste Intendant der Welt», schrieb die Fränkin Waltraud Meier, als der Franke Wolfgang Wagner 75 wurde. Sie brachte damit zum Ausdruck, was alle dachten und spürten: dass dieser Enkel des großen Richard motivieren konnte wie kein zweiter Theaterchef. Weil er immer da war, wenn man ihn brauchte, ansprechbar, offen, nie um eine (oft...
