Mitleid wäre ein Verbrechen
Es ist leicht, sich über diese Inszenierung lustig zu machen. Leider ist es auch unvermeidlich. Ideologischer Unsinn prägt seit Jahrzehnten das deutsche Theater, aber was Cottbus mit diesem frühen Verdi anbietet, übertrifft die gängigen Muster bei Weitem, insofern Irrsinn als Steigerung von Unsinn betrachtet werden kann.
Abigaille ist zweifellos die wichtigste, interessanteste Person in diesem biblischen Musikdrama, sie ist es auch am Staatstheater Cottbus.
Regisseur Armin Petras denkt sie sich, wie er im Programmheft verrät, als «eine Art Ursula von der Leyen, mit Zügen von Alice Weidel und Maria Callas». Tatiana Trenogina spielt dieses Monster als ständig besoffene, auf den höchsten Stilettos der östlichen Hemisphäre durch Schnee glitschende Domina, als abgetakelte Nutte, halb Zorro, halb Mephisto. Das Gegenmodell heißt Fenena: eine harmlose Agnetha Fältskog im ebenfalls rotlichtfähigen Discodress, nur eben besser bei Stimme. Gesungen wird sie von Luzia Tietze, seit Kurzem Ensemblemitglied in Cottbus und wahrscheinlich nur auf der Durchreise zu größeren Häusern. Andreas Jäpel wiederum ist in der Niederlausitz fast zuhause, hat hier im Laufe von 25 Jahren alle wichtigen Partien ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Volker Tarnow
Im Rahmen eines von Philippe Quesne kuratierten Theaterfestivals in Toulouse habe ich eine Laterna-magica-Vorführung zum Thema «Phantasmagorie» erlebt – in Zeiten von 3D, IMAX, VR und anderen Errungenschaften des technologischen Fortschritts hat mich das Analoge an diesem Vorreiter des Kinos total fasziniert. Als Erfindung des 17. Jahrhunderts wurde die Laterna...
Sir Donald, Sie verabschieden sich mit zwei Aufführungen des «Rings» von der Deutschen Oper Berlin. Ist das Zufall oder Absicht? Sowohl als auch. Der «Ring» war immer für diesen Zeitpunkt geplant. Eigentlich hatte ich ja einen Vertrag bis 2027, aus verschiedenen Gründen habe ich darum gebeten, ein Jahr früher gehen zu dürfen. Es ging mir darum, mehr Zeit für meine...
Schöner Titel: «Zu zweit», so sind die Erinnerungen von Irina Antonowna Schostakowitsch an ihre gemeinsam mit Dmitri Schostakowitsch verbrachten Jahre überschrieben. Sie verdanken sich, wie der gleichnamige Film aus dem Jahr 2022, dem unermüdlichen Versuch Elena Yakovichs, der dritten Ehefrau des Komponisten nahezukommen – was, wie die Autorin und Filmemacherin...
