Singen, um mitzuteilen
Und wieder kein Deutscher dabei! Ein Grund zum Nachdenken, was unsere Ausbildungssituation angeht, doch kein Grund zum Jammern. Die Globalisierung im Opernbetrieb hat Koreaner, Chinesen, Osteuropäer und Südamerikaner an die Weltspitze gestellt, und das nicht zu Unrecht – ein Trend, der sich längst nicht mehr nur in Gütersloh feststellen lässt, wo die Bertelsmann-Stiftung zum elften Mal ihren Wettbewerb «Neue Stimmen» durchführte.
Zwölfhundert Bewerber aus aller Welt (davon allein hundertfünfzig aus China) hatten im Vorfeld in einundzwanzig Städten vorgesungen, zweiundvierzig Kandidaten kamen in die Endausscheidung in Gütersloh. Vierzehn davon blieben beim öffentlichen Semifinale übrig, sieben – ungewöhnlicherweise fünf Soprane, ein Mezzo und ein Tenor – rangen im Finale um die drei ersten Preise.
Unter der Präsidentschaft des Pariser Intendanten Gerard Mortier gehörten der Jury drei weitere Theaterleiter (Brian Dickie, Anthony Freud und Bernd Loebe), vier unterrichtende Opernsänger (Edith Mathis, Edith Wiens, Francisco Araiza und Siegfried Jerusalem) sowie der Dirigent Gustav Kuhn und der Musikschriftsteller und Stimmenkenner Jürgen Kesting an. Es dürfte nicht zuletzt auf ...
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Ein Klotz mit sechsundsechzig CDs: «Michael Raucheisen. The Man at the Piano.» Wer war der Mann am Klavier? Darauf kann man am besten mit einer Anekdote aus den Memoiren von Frida Leider antworten: «Über seine Berühmtheit als Konzertbegleiter kursierte in Berliner Künstlerkreisen folgender Scherz: ‹Liederabend Michael Raucheisen. Am Sopran: Sängerin X.›»
Raucheisen...
In Zeitlupe öffnet sich der Vorhang und gibt minutenlang den Blick frei auf ein eigentlich hinter der Szene spielendes Geschehen, hier erstarrt zum Chor-Tableau: Grell herausgeputzte Frauen und Männern im schlecht sitzenden Siebziger-Jahre-Outfit. Zwei Figuren schälen sich heraus: Matrone Mamma Lucia (mit enormem Mut zur Hässlichkeit: Snejinka Avramova) und die...
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