Triumph des Ensembles
Mit einem beispiellosen Premieren-Marathon wurde die in den letzten Kriegstagen zerstörte Wiener Staatsoper am Ring vor einem halben Jahrhundert wiedereröffnet: Sieben Neuproduktionen in vier Wochen müssen das Ensemble und die Kollektive bis an den Rand der Leistungsfähigkeit gefordert haben. Doch von Erschöpfung keine Spur. Ein Funke der Begeisterung scheint alle Beteiligten entzündet zu haben, denn jede der sieben Aufführungen hält auch heute noch dem kritischen Urteil stand, ja, ruft Bewunderung hervor.
Da alle Premieren vom damals noch jungen ORF aufgezeichnet wurden, ist die Legende vom grandiosen Neubeginn heute zu überprüfen. Vor Jahren schon hat RCA «Don Giovanni» und «Der Rosenkavalier» auf CD veröffentlicht, beim französischen Label Andante erschien unlängst «Wozzeck»; «Fidelio» und «Aida» liegen bei kleineren Anbietern vor. Orfeo komplettiert jetzt die Reihe mit «Meistersinger» und «Frau ohne Schatten», beide übrigens in ausgezeichneter Klangqualität.
Gottfried Kraus berichtet im Booklet, dass die «Meistersinger»-Inszenierung Herbert Grafs das Publikum enttäuscht habe und dass auch die musikalische Leitung Fritz Reiners teilweise auf Kritik stieß. Letzteres kann man ...
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Zum Auftakt der Spielzeit gab Mannheims neue Intendantin Regula Gerber ihre Visitenkarte ab. Man eröffnete mit einer Neuinszenierung von Verdis «La forza del destino» (siehe Seite 6 dieser Ausgabe). Zwei Tage später die andere Seite der Karte: ein Abend mit Werken Luciano Berios.
Man sitzt im Schauspielhaus. Schwarze ansteigende Bühnenrampe. Über Bühne und...
Wir schreiben das Jahr 1973, gerade hat der Diktator Pinochet in Santiago de Chile die Macht an sich gerissen. Also gibt es in dieser «Tosca» keine Kirche mit Kapellen und einem Maler bei der Arbeit, sondern einen schlichten Raum mit eingemauerter Madonna und angrenzendem Fotolabor, das auch eine konspirative Wohnung sein könnte. Später, wenn die Musik des Te Deum...
Hector Berlioz ging mit seinem erfolgreichen Kollegen Gaetano Donizetti einmal hart ins Gericht, indem er ihm vorwarf, aus der Musik «eine Art Kartenspiel (zu machen), aus dem er hier ein Herz-Ass verteilt, dort ein Treff-Ass oder einen Carreau-Buben». Der Vorwurf zielte auf die Neigung des Italieners zum musikalischen Recycling, die freilich in einer Epoche...
