Naturmusiker
Verdis «Il trovatore» zählt nicht zwingend zu den leicht-lockeren dirigentischen Übungen. So verzwickt die Handlung anmutet, so vielschichtig stellt sich auch die musikalische Textur dieses mittleren jener drei düsteren Nachtstücke dar, die der italienische Komponist zwischen 1853 und 1862 schrieb; und wie in den Bühnenwerken «Simon Boccanegra» und «La forza del destino» ist die tinta musicale zwar grundsätzlich eher düster, in ihrer polyvalent-pluralistischen Struktur jedoch nur äußerst schwer plausibel zu vermitteln.
Antonino Fogliani wusste, wie das geht.
Hören konnte man es noch Ende Juni, bei der «Trovatore»-Premiere an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf (die seine letzte sein sollte, aber das ahnten an diesem Abend wohl nur die wenigsten). Mit traumwandlerischer Sicherheit lotete Fogliani, seit 2017 Erster Gastdirigent des Hauses, an der Spitze der hoch motivierten, hellwachen Düsseldorfer Symphoniker auch an diesem Abend die diversen «Temperaturen» und häufigen Temperamentsschwankungen aus; nie demonstrativ, drastisch oder didaktisch, sondern immer mit jener federnden Leichtigkeit, die auch seine Rossini-Deutungen immer ausgezeichnet hat. Dabei wühlte sich Fogliani ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2026
Rubrik: Magazin, Seite 93
von Jürgen Otten
Alle Wege bahnen sich vor mir, weil ich in der Demut wandle». Ob Johann Wolfgang von Goethe, aus dessen Feder dieser Aphorismus stammt, historisch mehr als eine Zeitgenossenschaft mit dem Kastraten Giovanni Rubinelli (vermutlich 1747–1817) vereinte, bleibt so unbekannt wie so vieles in Rubinellis Leben, bis hin zu seinem diskreten Rückzug ins Dunkel historischer...
Es steht zu vermuten, dass Bernhard Helmich mit dem Sisyphos-Mythos vertraut ist. Als ebenso sicher dürfte die Annahme gelten, dass dem Generalintendanten der Bonner Bühnen in den vergangenen Monaten nicht nur einmal die Haare steil zu Berge gestanden haben angesichts des kulturpolitischen Chaos, das in der ehemaligen Bundeshauptstadt der einstigen...
Louis Andriessen gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Niederlande. Das Œuvre des 2021 mit 82 Jahren verstorbenen Komponisten umfasst zahlreiche Gattungen, seine Musik spiegelt Einflüsse der mitteleuropäischen Musiktradition, orientiert sich aber auch an den amerikanischen Minimalisten und kannte keine Berührungsängste zu Jazz, Boogie-Woogie und sogar...
