Editorial Opernwelt 11/26
Es steht zu vermuten, dass Bernhard Helmich mit dem Sisyphos-Mythos vertraut ist. Als ebenso sicher dürfte die Annahme gelten, dass dem Generalintendanten der Bonner Bühnen in den vergangenen Monaten nicht nur einmal die Haare steil zu Berge gestanden haben angesichts des kulturpolitischen Chaos, das in der ehemaligen Bundeshauptstadt der einstigen Wohlstandsrepublik herrscht. Anfang September sah es sogar so aus, als stünde eine Schließung der Oper Bonn im Raum. Die Begründung fiel kurz aus: kein Geld.
Geld macht bekanntlich nicht per se glücklich, ist aber notwendige Voraussetzung, um bestimmte «Utopien» in die Realität zu überführen. Kunst und Kultur zum Beispiel.
Die Oper Bonn, 1965 unweit der Kennedy-Brücke ans Rheinufer gepflanzt, war immer schon ein Ort für demokratisch-diskursives Musiktheater. Helmich hat dem Haus, das er seit 2013 mit großer Umsicht leitet, klare, scharfkantige Konturen gegeben, was gewiss auch dadurch begünstigt wurde, dass der Akademiker-Anteil in Bonn um ein Vielfaches höher ist als in Gelsenkirchen, Dortmund oder Duisburg, die Verdienste aber keineswegs schmälert. Eine politisch durchwirkte Reihe wie «Fokus ’33» wünschte man sich auch an anderen ...
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Opernwelt November 2026
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Wenn schon in Zeiten Georgs II., des Meininger «Theaterherzogs», das Musiktheater eine mittragende Rolle spielte – schließlich reformierte der liberale Herrscher parallel zur Sprechbühne auch die Hofkapelle und verstand sich mit Brahms ebenso gut wie mit dem Wagner-Flügel –, so findet aktuell, im 200. Geburtstagsjahr des historischen Übervaters, dieser Zweig des...
Der Titel erinnert entfernt an Descartes: «I AM.» Ich bin. Mag das Konjunktionaladverb «also» fehlen, und mag Susanne Kennedy ihre Saarbrücker Poetikvorlesungen für Dramatik, die nun gesammelt im Berliner Alexander Verlag erschienen sind, mit dem (in Klammern gesetzten) charakteristischen Zusatz «a strange loop» benannt haben, so wird bei der Lektüre doch zugleich...
JUBILARE
Am 7. November feiert Dame Gwyneth Jones ihren 90. Geburtstag. Die Waliserin studierte in London, Siena und Zürich; am dortigen Stadttheater erhielt sie ihr erstes Engagement. Zunächst Mezzosopran wechselte Jones recht bald ins Sopranfach. 1964 debütierte sie als Leonore an Covent Garden in London. In derselben Rolle gab sie zwei Jahre später ihr Debüt an...
