Lebensfilm in Tönen
Alle Wege bahnen sich vor mir, weil ich in der Demut wandle». Ob Johann Wolfgang von Goethe, aus dessen Feder dieser Aphorismus stammt, historisch mehr als eine Zeitgenossenschaft mit dem Kastraten Giovanni Rubinelli (vermutlich 1747–1817) vereinte, bleibt so unbekannt wie so vieles in Rubinellis Leben, bis hin zu seinem diskreten Rückzug ins Dunkel historischer Anonymität Ende des 18. Jahrhunderts, der auch von der Demut eines Künstlers erzählen könnte.
Nach einer rund 30 Jahre währenden und erfolgreichen Karriere war Rubinelli «heimlich, still und leise», wie Samuele Lo Cascio in seinem Booklet-Beitrag schreibt, abgetreten. Lo Cascio begründet es mit einer Kombination historischer Umstände und historiographischer Rahmenbedingungen, welche die Wahrnehmung von Rubinellis besonderer Rolle in der Musikwelt seiner Zeit trübten. Moralische, sozioökonomische und politisch-ideologische Veränderungen ab der Mitte des 18. Jahrhunderts hätten dazu beigetragen, dass Kastraten sowohl von der Bühne als auch aus dem Alltag verschwanden.
Doch auch die Auskünfte über Rubinellis aktive Laufbahn sind karg; vor allem die frühen Jahre fallen für Lo Cascio unter den Begriff «biographisches ...
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Opernwelt November 2026
Rubrik: Medien, Seite 45
von Gerhard Persché
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