Naht euch dem Strande
Man stelle sich die Szene vor: eine Familienfeier im Hause Massenet, am prächtig gedeckten Tisch all seine Opern-Kinder. Zur Rechten des Komponisten sein liebster Spross, Manon, melancholisch-mild lächelnd. An ihrer Seite, wie stets in sich gekehrt, der arme Werther. Ihm gegenüber, in silbern glänzender Ritterrüstung, Don Quichotte, flankiert von zwei Zauberfrauen. Da die schöne Cendrillon, dort die frömmelnd-verführerische Kurtisane Thaïs.
Und sogar der König von Lahore, die sonderliche Roma, die mondäne Cléopatre, die wunderliche Hérodiade und der rotgesichtige Bacchus sind gekommen, um dem Komponisten zu huldigen. Nur eine fehlt: Ariane, des Rauschkünstlers mythisch angewehte Schwester. Es sei schwierig, ein ein -facheres, zugleich wehmütigeres Subjekt zu finden als sie, hat Massenet einmal über die Titelheldin seiner Oper zu Protokoll gegeben. Was wiederum die Musikgeschichte nicht davon abgehalten hat, dieses Bühnenwerk, das am 31. Oktober 1906 seine akklamierte Uraufführung im Palais Garnier erlebte, völlig zu vergessen. Alexandre Dratwicki, Spiritus Rector des Palazzetto Bru Zane, der «Ariane» ausgegraben hat, erklärt sich diesen betrüblichen Umstand mit der Tatsache, dass ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 25
von Virginie Germstein
Eine Königin kehrt zurück. Doch nicht im Triumphmarsch betritt sie an diesem 19. August 1561 im schottischen Leith heimatliche Gestade. Sie kommt, begleitet von fürstlichen Frauen, frierenden Fräuleins und ernstgestimmten Edelmännern, als Witwe eines gut neun Monate zuvor verstorbenen Königs, der im Grunde nie zum König taugte. Ein Knabe von schwächlicher...
Vielbegabt
Sie war definitiv eine Frau mit vielen Talenten. Sie schrieb, sie malte, und eines Tages fasste sie den Entschluss, Komponistin zu werden. Als solche hat Louise-Angélique Bertin vier Opern hinterlassen. Die wohl bekannteste darunter, ihr «Fausto», wird nun am Theater Essen in einer Inszenierung von Tatjana Gürbaca gezeigt. Wir sind dabei
Experimentell
...
Die gute Nachricht zuerst: Jochanaan darf seinen klugen Kopf behalten. Der Henker verschont ihn, vermutlich weil er im Urlaub ist, und die königliche Familie scheitert bei dem ohnehin auch nur halbherzigen Versuch, den Propheten zu enthaupten. Salome scheint ein gewisses Mitgefühl für den religiösen Mann zu haben, der ihr trotz mehrmaliger Bitten den Wunsch...
