Naht euch dem Strande
Man stelle sich die Szene vor: eine Familienfeier im Hause Massenet, am prächtig gedeckten Tisch all seine Opern-Kinder. Zur Rechten des Komponisten sein liebster Spross, Manon, melancholisch-mild lächelnd. An ihrer Seite, wie stets in sich gekehrt, der arme Werther. Ihm gegenüber, in silbern glänzender Ritterrüstung, Don Quichotte, flankiert von zwei Zauberfrauen. Da die schöne Cendrillon, dort die frömmelnd-verführerische Kurtisane Thaïs.
Und sogar der König von Lahore, die sonderliche Roma, die mondäne Cléopatre, die wunderliche Hérodiade und der rotgesichtige Bacchus sind gekommen, um dem Komponisten zu huldigen. Nur eine fehlt: Ariane, des Rauschkünstlers mythisch angewehte Schwester. Es sei schwierig, ein ein -facheres, zugleich wehmütigeres Subjekt zu finden als sie, hat Massenet einmal über die Titelheldin seiner Oper zu Protokoll gegeben. Was wiederum die Musikgeschichte nicht davon abgehalten hat, dieses Bühnenwerk, das am 31. Oktober 1906 seine akklamierte Uraufführung im Palais Garnier erlebte, völlig zu vergessen. Alexandre Dratwicki, Spiritus Rector des Palazzetto Bru Zane, der «Ariane» ausgegraben hat, erklärt sich diesen betrüblichen Umstand mit der Tatsache, dass ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 25
von Virginie Germstein
Nun gut, wer bist du denn? – Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.» Mephistos kryptisch-dialektische Antwort auf Fausts Frage in Goethes Tragödie hat Generationen von Interpreten beschäftigt. Auch Michail Bulgakow, der das Zitat seinem satirischen Roman «Der Meister und Margarita» aus dem Jahr 1940 vorangestellt hat. Dort...
Mozarts «Ascanio in Alba» fristet im gängigen Opernrepertoire eher ein Nischendasein. Bei der Frankfurter Erstaufführung erstrahlt das Bühnenwerk aus der Feder des 15-jährigen Komponisten in zeitgemäßem Design. Regisseurin Nina Brazier und Bühnenbildner Christoph Fischer siedeln die von Kaiserin Maria Theresia für die Hochzeitsfeierlichkeiten eines Sohnes in...
Vielbegabt
Sie war definitiv eine Frau mit vielen Talenten. Sie schrieb, sie malte, und eines Tages fasste sie den Entschluss, Komponistin zu werden. Als solche hat Louise-Angélique Bertin vier Opern hinterlassen. Die wohl bekannteste darunter, ihr «Fausto», wird nun am Theater Essen in einer Inszenierung von Tatjana Gürbaca gezeigt. Wir sind dabei
Experimentell
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