Allein unter Wölfen
Eine Königin kehrt zurück. Doch nicht im Triumphmarsch betritt sie an diesem 19. August 1561 im schottischen Leith heimatliche Gestade. Sie kommt, begleitet von fürstlichen Frauen, frierenden Fräuleins und ernstgestimmten Edelmännern, als Witwe eines gut neun Monate zuvor verstorbenen Königs, der im Grunde nie zum König taugte. Ein Knabe von schwächlicher Konstitution war Franz II.
, jener französische Thronfolger, dem Maria Stuart schon als Sechsjährige vermählt wurde; Michel Foucault hat diese wenig subtile absolutistische Machterhaltungstechnik einmal sehr schön als «Allianzdispositiv» beschrieben. Und doch erinnert sich Maria wonnevoll an ihre Kindheit und Jugend in Frankreich, an den Prunk, die Pracht, den Pomp und die Perlen, vor allem jedoch an die Kunst, die um sie herum war, an die Dichter, die sie besangen, an einen Ronsard, einen Du Bellay, einen Brantôme. Hier aber, in Schottland, ihrer Geburtsstätte, besingt sie niemand. Nicht einmal standesgemäß begrüßt wird sie in dem Land, wo die wilden Kerle wohnen und wüten.
Thea Musgraves Oper «Mary, Queen of Scots», im Auftrag der Scottish Opera komponiert, 1977 beim Edinburgh International Festival urauf -geführt, 1984 noch ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 18
von Jürgen Otten
In Teilen Moskaus herrscht Grabesstimmung. Die Musiktheaterszene der russischen Hauptstadt mag sich auch wenige Wochen nach der Entscheidung kaum mit dem Gedanken abfinden, dass der schier allgegenwärtige Valery Gergiev nicht nur Generaldirektor des Bolschoi-Theaters, sondern fast zwangsläufig auch Co-Vorsitzender des Vorstands der russischen Theaterunion geworden...
Das Leben auf einer Bohrinsel ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Zur körperlichen Schwerstarbeit kommt das Gefühl völliger Isolation, gegen das anzukämpfen hat, wer monatelang auf einem Stahlungetüm mitten im Meer von Freunden und Familie getrennt ist. Noch ungemütlicher freilich wird es, wenn dort ein raffgieriger Tyrann das Sagen hat. Barbora Horáková lässt...
Puccinis «Tosca» firmiert in der italienischen Kapitale unter dem Rubrum «Lokaloper». Ein Wunder ist dies nicht, Handlungsorte und auch das Haus, in dem das Werk aus der Taufe gehoben wurde (das Teatro Costanzi), befinden sich allesamt in Roms Altstadt. Adolf Hohensteins Bühnenbilder und Kostüme für die Uraufführung anno 1900 leben in den zahlreichen...
