Nadelstiche stärken
Sie haben in München an Zimmermanns «Soldaten» oder Strauss’ «Frau ohne Schatten» mitgearbeitet, dazu in eigenen Vorstellungen Mozart, Donizetti, Verdi und Johann Strauß dirigiert – gibt es noch weiße Flecken in Ihrem Stil-Repertoire?
In der ersten Saison war ich ausschließlich als Assistentin Kirill Petrenkos aktiv, dann hat sich der Tätigkeitsbereich erweitert. Ich bin sehr froh darüber, dass ich dieses breite Repertoire dirigieren kann.
Und ich finde es reizvoll und lehrreich, die verschiedenen Stile zu vergleichen und zu erkennen, wie eine Schule die andere beeinflusst hat. Erst einmal bin ich hier also gut versorgt (lacht).
Wie schwer fiel Ihnen der Entschluss, es in einer Männerdomäne zu versuchen?
Es wird immer leichter für uns Frauen am Pult. Die Gesellschaft wird offener und damit auch die Musikszene. Man traut Frauen mehr zu. Das Problem ist: Vielleicht gibt es noch zu wenige Dirigentinnen, die erfolgreich beweisen konnten, dass es funktioniert. Der Beruf verlangt sehr vieles, vor allem einen starken Charakter – nicht nur Talent und Fleiß. Und von Frauen fordert er, sich nicht zu schnell deprimieren zu lassen, wenn wir Nadelstichen und Andeutungen ausgesetzt sind: «Ist das ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Markus Thiel
Als Parabel für moralische und psychische Verwahrlosung durch Machtgier ist «Macbeth» von zeitloser Aktualität. Angesichts der dramatischen Weltlage scheint Verdis Humanismus brisanter denn je. Allerdings gibt es in dieser Oper einige steinharte Regie-Nüsse zu knacken: Was macht man mit den Hexen und ihren chorischen Weissagungen? Wie bebildert man Macbeths...
Neulich musste ich mal eine Gruppe Studenten auf Trab bringen – und war bass erstaunt, wie sorglos da mancher in die erste Probe spazierte. «Auf geht’s!» – «Hast du Töne, Freundchen?» – «Nö». Mann, den Mumm muss man erst mal haben. Mir fehlte der immer. Aber es gibt halt verschiedene Typen. Zeit für einen Psychotest.
1) Sie bekommen die Zusage für eine Rolle. Wie...
Der verneinende Geist hat Konjunktur, auch auf Opernbühnen. Zu Beginn der Spielzeit München, an Pfingsten Baden-Baden – dazwischen jetzt Freiburg: Arrigo Boitos «Faust»-Oper mit der gezielten Titelwahl «Mefistofele» scheint Regisseure und Dramaturgen herauszufordern. «Und was in schwankender Erscheinung schwebt / Befestiget mit dauernden Gedanken.» Das Schweben...
