Stimme(n) der Nation
Die die Gruppe zusammenkittende Tanzmusik dieser Jugendgang kommt aus dem Gettoblaster, ihr Anführer namens «Duca» grabscht alles Weibliche in seinem Gesichtskreis schamlos ab, und dann ist da noch der behinderte Kerl, der dem Chef die Chicks zuführt. Nicht so sehr der treffgenaue, gut funktionierende Verdi-Verfremdungswitz dieser «Rigoletto»-Inszenierung im HipHop-Milieu ist hier das Besondere, auch nicht die gut und voll klingenden Stimmen samt der vitalen, rhythmisch angespitzten Tonfülle aus dem Orchestergraben.
Es ist vor allem der Ort, der diese Opernaufführung so einzigartig macht: das Joseph Stone Theatre, in einer farbigen – nicht schwarzen – Nachbarschaft gelegen, am Fuße des Tafelbergs in Kapstadt. Die betonraue, nur mit dem Nötigsten ausgestattete Bühne wird aber offenbar von ihren Benutzern heiß geliebt, man sieht es an den liebevoll mit Fotos vieler farbenprächtiger Veranstaltungen ausgestatteten Schaukästen in den Garderobengängen.
Hier nun, am südlichen Ende der Musiktheaterwelt und an der äußersten Peripherie der Kunstgattung dazu, gibt die Cape Town Opera (CTO) ziemlich kräftige Lebenszeichen von sich. Isoliert und auf sich gestellt – das nächste und einzige ...
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Wenn’s denn ein Opernkalauer sein darf. Frage: Was ist die Steigerung von «nie gehört»? Antwort: «Clari»! Den Titel von 1828 dürfte selbst im notorisch ausgrabungsfreudigen Zürcher Opernhaus niemand auf der Rechnung gehabt haben, bevor Cecilia Bartoli in der Pariser Bibliothèque Nationale darauf stieß. Das geschah, als die Musikforscherin in ihr auf den Spuren von...
Es ist noch nicht lange her, da galt das Heimatland einer Montserrat Caballé, eines Alfredo Kraus und José Carreras vor allem als Belcanto-Hochburg. Wie unzutreffend dieses Klischee und wie sehr Spaniens Opernszene inzwischen in Bewegung ist, beweisen nicht zuletzt die führenden Häuser in Madrid, Barcelona und Valencia. Mit ihren jüngsten Premieren spannen sie...
Mit Spannung war das Regiedebüt des Tenors José Cura erwartet worden. Und der erste Akt beginnt auch durchaus vielversprechend: Graf Riccardo zeigt sich als moderner Autokrat, der seine Mitarbeiter am großen Konferenztisch antreten lässt und unter einem riesigen Porträt seiner selbst (in jungen Jahren) den Regierungsgeschäften nachgeht. Er hat es trotz seiner...
