Stimme(n) der Nation
Die die Gruppe zusammenkittende Tanzmusik dieser Jugendgang kommt aus dem Gettoblaster, ihr Anführer namens «Duca» grabscht alles Weibliche in seinem Gesichtskreis schamlos ab, und dann ist da noch der behinderte Kerl, der dem Chef die Chicks zuführt. Nicht so sehr der treffgenaue, gut funktionierende Verdi-Verfremdungswitz dieser «Rigoletto»-Inszenierung im HipHop-Milieu ist hier das Besondere, auch nicht die gut und voll klingenden Stimmen samt der vitalen, rhythmisch angespitzten Tonfülle aus dem Orchestergraben.
Es ist vor allem der Ort, der diese Opernaufführung so einzigartig macht: das Joseph Stone Theatre, in einer farbigen – nicht schwarzen – Nachbarschaft gelegen, am Fuße des Tafelbergs in Kapstadt. Die betonraue, nur mit dem Nötigsten ausgestattete Bühne wird aber offenbar von ihren Benutzern heiß geliebt, man sieht es an den liebevoll mit Fotos vieler farbenprächtiger Veranstaltungen ausgestatteten Schaukästen in den Garderobengängen.
Hier nun, am südlichen Ende der Musiktheaterwelt und an der äußersten Peripherie der Kunstgattung dazu, gibt die Cape Town Opera (CTO) ziemlich kräftige Lebenszeichen von sich. Isoliert und auf sich gestellt – das nächste und einzige ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Kein New York-Besuch ist wirklich gelungen ohne einen Abend im Lincoln Center. Seit seiner Eröffnung vor fünfzig Jahren gilt es als das amerikanische Zentrum für Musik, Oper, Schauspiel und Tanz. Insgesamt zwölf Organisationen (von der Juilliard School bis zur Metropolitan Opera, dem New York City Ballet über die New York Philharmonic bis zur School of American...
Luigi Cherubinis «Médée» gerät seit ihrer Pariser Uraufführung 1797 regelmäßig in Vergessenheit, um periodisch immer wieder neu entdeckt zu werden. Ihre jüngste Renaissance mit Inszenierungen in Wien (siehe OW 5/2008) und Brüssel (siehe OW 6/2008) verdankt sie Heiko Cullmanns 2007 erschienener, preisgekrönter Neuedition im Simrock-Verlag. Der Klagenfurter...
Erstaunlich ist es schon. Da ist, seit nunmehr sechzig Jahren, ein Werk in der Welt, das zu den tiefgründigsten, vielschichtigsten, erschütterndsten Zeugnissen seines Jahrhunderts zählt, und doch erklingt es auf den Opernbühnen selten nur. Ein Grund für das mangelnde Interesse an Dallapiccolas «Il prigioniero» liegt womöglich in der Schwierigkeit, ein passendes...
