Ein letzter Tanz
Der Spruch passt einfach zu gut zur Eisenacher Situation: «Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist». Nahezu alle lokalen Blätter haben ihn, neben dem in solchen Fällen immer sehr beliebten «Der letzte Vorhang fällt», zur Premiere der «Fledermaus» am Landestheater Eisenach in die Überschrift gehievt. Denn es war die letzte eigenständige Produktion des dortigen Hauses, ab der Spielzeit 2008/09 wird es quasi eine Außenstelle des Südthüringischen Staatstheaters.
Zwar handelt es sich juristisch nicht um eine Fusion, faktisch aber kommt in Zukunft fast alles aus Meiningen. Dem Eisenacher Haus wurde – ohne nennenswerte Gegenwehr der Stadtspitze und der Bürger – sein Herz, das Musiktheater, herausgeschnitten, wie es der scheidende Intendant Michael Schlicht formuliert. Das 12-köpfige Ensemble wird aufgelöst, insgesamt gehen 73 Mitarbeiter, die Landeskapelle Eisenach schrumpft auf 24 Musiker, die nicht mehr viel zu tun haben werden. Das es so weit kommen könnte, hatte sich bei der Erstellung des Spielplans schon abgezeichnet. Deshalb wurde mit der «Fledermaus» ein schillerndes Finalstück angesetzt, in dem keiner das ist, was er zu sein vorgibt – und sowohl ein ...
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Manchmal werden selbst die üppigsten Rechnungen ohne den Wirt gemacht. Das Größte, das Schönste, das Beste sollte es sein, als man Anfang der neunziger Jahre in Baden-Baden über ein neues Veranstaltungshaus für Konzerte, Ballett- und Opernaufführungen nachdachte. Die beschauliche Stadt an der Oos hatte es satt, in der öffentlichen Wahrnehmung als Kurort und...
Über die szenische Einrichtung geistlicher Werke lässt sich trefflich streiten. Was haben ein Requiem, ein Stabat mater, ein Oratorium auf der Tanz- oder Opernbühne zu suchen? Ging es Bach, Händel, Mozart, Mendelssohn – bei allen Unterschieden im musikalisch-theologischen Selbstverständnis und in den historischen Parametern – nicht primär um die Verkündigung...
Herr Jenis, die Partie des Renato in Verdis «Un ballo in maschera» zählt zu den wichtigen Rollenporträts Ihres Fachs. Da liegt es auf der Hand, Sie mit anderen Baritonen zu vergleichen. Wollen wir?
Nein, wir wollen nicht. Vergleiche nützen nichts.
Das heißt, Sie vergleichen sich selbst nicht mit anderen herausragenden Stimmen, nach dem Motto: Denen komme ich...
