Nachtgewächs
Nachts, so heißt es, seien alle Katzen grau. Auch in einer Bibliothek. Doch manchmal huschen auch kleine Kobolde durch das Reich der Göttin Nyx, zumindest in Romanen, die «Mitternachtskinder» heißen und aus der Feder eines der größten Erzähler-Phantasten unserer Zeit stammen. Salman Rushdies Roman aus dem Jahr 1981 ist zum Verlieben schön.
Aber ist es auch einer zum Vertonen? Lucia Ronchetti beantwortete die Frage mit einem klaren Ja, und so kam 2015 am auftraggebenden Nationaltheater Mannheim eines ihrer poetischsten Stücke zur Uraufführung – das Musiktheater «Esame di mezzanotte» für Schauspieler, Stimmen, Vokalensemble, Kinderchor, Chor und Orchester. Regie führte Achim Freyer, der große, alte Märchenonkel, der noch jede Oper in einen klingenden Zaubergarten (oder, wie hier, in einen Büchergarten) zu entführen wusste, am Pult stand mit Johannes Kalitzke ein echter Könner auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik. Vera-Lotte Boecker, 2022 «Sängerin des Jahres», zeigte damals schon ihr enormes singdarstellerisches Talent, und auch ihre Partner, darunter die (Counter-)Tenöre Matthew Shaw und Ziad Nehme, sowie das Schauspieler-Trio Christoph Wittmann, Reuben Willcox und Philipp ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Porträt, Seite 54
von Jürgen Otten
Das Vorwort ist ein Gedicht. Kraftvoll, wortmächtig, poetisch aufgeladen. Geschrieben hat es ein Mitstreiter aus guten, alten Zeiten, der (hochbegabte) Schauspieler und (nicht ganz so begabte) Regisseur Sven-Eric Bechtolf. Und mag er Jürgen Flimm, diesem großen, am 4. Februar 2023 verstorbenen (Musik-)Theatermann, auch einen schmucken Lorbeerkranz ums Haupt winden,...
Zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn ist der Bismarckplatz neben dem Theater unerreichbar, zumindest für Autofahrer. Derbe Protestrufe, Transparente, Polizei, einmal fahren Blaulicht-Busse durch die angrenzende Fußgängerzone. Für Regensburg sind drei Demonstrationen eine harte Nuss. Der Mittelstand verschafft sich Gehör und stänkert gegen die Ampelkoalition. Vor...
Ist die Operette noch zu retten? Diese nicht. Jedenfalls nicht, wenn man es wie in Chemnitz macht. Dann bleibt von Eduard Künnekes amüsant-geistvoller Konversationskomödie größtenteils nur Klimbim übrig, irgendwo angesiedelt zwischen Musical und Varieté, überwölbt von einer Erzählung, die ihre eigene Botschaft durch komisch gemeinten Trubel permanent negiert.
Künne...
