Durchgefallen
Früher habe ich mich als freie Journalistin, Autorin und Freiberuflerin bezeichnet. Seit die Pandemie unser Leben beherrscht, gehöre ich zu den sogenannten Solo-Selbstständigen – ein Begriff, der mir vorher nicht geläufig war, aber eigentlich ziemlich klar benennt, was ich tue: Ich arbeite als freie Autorin alleine, auf eigenes Risiko. So traf mich Corona: mit voller Wucht. Denn auch KritikerInnen und ProgrammheftautorInnen hängen ganz unmittelbar am Kulturbetrieb. Der Ausfall von Premieren, Festivals und Konzerten bedeutet, dass außer Krisenberichterstattung fast nichts mehr geht.
Alle existenziell von der Krise Betroffenen äußern seit Monaten einhellig, das Schlimmste an der Situation sei das Gefühl der lähmenden Ohnmacht. Die eher zufällig ins Haus geflatterte Frage, bei der «KunstNothilfe» mitzumachen, hatte daher eine ungeheuer befreiende Wirkung: Selbst etwas tun zu können, um trotz des allgegenwärtigen Stillstands etwas zu bewegen, tätig zu werden, vertrieb das Gefühl der Ohnmacht.
Die «KunstNothilfe» gründete sich als Crowdfunding-Plattform zu Beginn der Krise und ist angedockt an die Bochumer GLS Bank, die vor allem ökologische, soziale und nachhaltige Projekte ...
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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 22
von Regine Müller
Zum Salzburger Vermächtnis Gerard Mortiers gehören nicht nur die Öffnung des Musiktheater-, Schauspiel- und Konzertprogramms für die Gegenwart, sondern auch das öffentliche Nachdenken über Grundfragen unserer Zeit. Dass die Künste ihren Sinn verlieren, wenn sie kulinarisch entschärft werden, vor der unsicheren, krisenbehafteten menschlichen Existenz fliehen, war...
An der Tür des Zürcher Opernhauses steht, dieses sei «bis auf Weiteres geschlossen», was an diesem Abend nicht ganz richtig ist: 50 Menschen dürfen hinein, um live Zeugen der Premiere von Verdis «Simon Boccanegra» zu werden. Später werden sie sagen können, ja, das, was im Netz zu sehen ist, hat tatsächlich stattgefunden, in diesem kalten Dezember, in dem die...
Herr Neef, sind Sie fantasiebegabt? Hätten Sie sich noch widrigere Begleitumstände für Ihren Amtsantritt ausmalen können?
Imagination zu besitzen, ist fast schon eine Überlebensbedingung in der gegenwärtigen Situation. Aber man kann sich nicht aussuchen, unter welchen Umständen man eine neue Arbeitsstelle antritt – zudem jeder Theaterleiter auf der Welt zurzeit...
