Musik vor Szene
Für John Caird, den Regisseur der neuen «Aida» an der Welsh National Opera (WNO) in Cardiff, spielt die Geschichte vor allem in Radames’ Oberstübchen. Quelle seiner Leidenschaft, so Cairds These, seien die Fantasien eines Mannes in mittleren Jahren. Folglich sitzt Dennis O’Neill gleich zu Beginn im Scheinwerferlicht. Jacke und Hose deuten auf die Zeit um 1870. An einer Wasserpfeife saugend, blickt er mit ausdrucksloser, leicht benebelter Miene ins Leere – ein barocker Heiliger, der gerade eine Vision hat.
Die Kriegsparteien – Priester, Äthiopier und der ägyptische Hofstaat mit einem König, dem Emma Ryott (Kostüme) eine viktorianische Uniform und einen Fez beschert hat – tummeln sich auf verschiedenen Ebenen. Die Bühne (Yannis Thavoris) ist wie ein verkrustetes Bärengehege gestaltet, womöglich gehört es zu einem Zirkus, der mit wilden Tieren seine Späße treibt. Darüber verlaufen Holzstege, auf denen die ausgezeichnet disponierten Choristen der Welsh National Opera bequem Platz finden. Die Chöre bereiten noch die größte Freude in einer Aufführung, in der ausnahmslos Rampensingen statt plausibler Personenführung angesagt ist.
Man denke an ein Filmplakat aus den Dreißigern, das für ...
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