Der Kontrakt des Oligarchen

Detmold, Wagner: Das Rheingold

Opernwelt - Logo

Etwas ist anders als sonst. Nicht allein liegen die Rhein­töchter dort drunten, auf dem Grund des ruhenden Flusses, sondern als Teil einer Art Jeunesse dorée, die sich müßig dem Tage entgegenräkelt, nicht wissend, welch Ungemach droht. Parallel zur Musik, die das einfühlsam beschreibt, umreißt Richard Lowes Choreografie dieser Szene die Morgenstimmung einer hedonis­tischen Menschenkinderversammlung mit augenfälliger Poesie. Doch kaum biegt die Musik ab in Richtung Abgrund, Konflikt, Bedrohung, gerät das pastorale Idyll in Gefahr.

Die Unruhe schwillt an wie das Wasser des Rheins, wie der Klang im Graben. Alberich naht.
Von Beginn an wohnt der Inszenierung von Kay Metzger im Landestheater Detmold (nach der gelungenen «Walküre» wird damit der zweite «Ring»-Abschnitt gegossen) ein Zauber inne, der, obschon er zur harschen Sozialkritik sich wendet, doch die aparte Seite der «Rheingold»-Geschichte und -Partitur nie aus dem Sinn verliert. Es besitzt Charme und Witz, wie Metzger seine Figuren dazu bringt, ihre Gedanken respektive Gefühle abseits des Mystisch-Mythischen ohne Schonung darzulegen. Das Göttliche erscheint hier nur als Zitat, zuweilen gar nur als Parodie. Auch die Idee, das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Lyrischer Zauber, dramatische Prägnanz

Die Erstveröffentlichung des Bayreuther «Ring» von 1955 unter Joseph Keilberth haben wir an dieser Stelle als kleine Sensation ausführlich gewürdigt (siehe OW 4/2007). Nun legt das britische Label Testament mit einem weiteren historischen «Ring» nach, der bisher nur als klanglich fragwürdige Piratenaufnahme existierte. Es handelt sich um den Londoner Zyklus von...

«Bellißima»

Nach Tommaso Traettas »Sofonisba» (siehe OW 4/2006) und Niccolò Piccinnis »Catone in Utica» (siehe OW 4/2007) erinnert Mannheim zum dritten Mal an die gro­ße Zeit der kurpfälzischen Hofoper unter Kurfürst Karl Theodor. Diesmal fiel die Wahl auf den 1766 uraufgeführten «Alessandro» von Gian Francesco de Majo. Wie Piccinni, Traetta und Gluck gehörte der 1770...

Belebte Zeichen

Über die szenische Einrichtung geistlicher Werke lässt sich trefflich streiten. Was haben ein Requiem, ein Stabat mater, ein Oratorium auf der Tanz- oder Opernbühne zu suchen? Ging es Bach, Händel, Mozart, Mendelssohn – bei allen Unterschieden im musikalisch-theologischen Selbstverständnis und in den historischen Parametern – nicht primär um die Verkündigung...