Kopflastig

Kiel, Halffter: Lazarus

Opernwelt - Logo

Über seine Musik verliert Cristóbal Halffter in einem im Programmheft abgedruckten Interview zur Urauffüh­rung seiner nach dem «Don Quijote» zweiten Oper kein Wort. Stattdessen lässt sich der Nestor der spanischen Komponistenszene über theologische und philosophische Hintergründe des Werkes aus, spricht über Platons Höhlengleichnis und über die Apokryphen, über Fragen der Schuld und über das Sterben. Dabei ist es einzig die Musik, die – wenn überhaupt – dem «Lazarus» Bestand sichern wird.

Eine Musik von eminenter Farbigkeit, aus fast tonlosem Nichts sich entwickelnd zu expressiv gesteigerten Entladungen, facettenreich flirrend, dann wieder bruitistisch zuschlagend, im Gesangsbereich mit strukturierendem Zugriff ausbalanciert zwischen Parlando, Kantilene und Schrei. Eine Musik, die während der knapp achtzig Minuten Spieldauer des Werkes in ihrem Nuancenreichtum immer wieder eine geradezu magische Sogwirkung entwickelt.
Das Libretto nach Texten des spanischen Literaten Juan Carlos Marset dagegen bereitet Kopfzerbrechen. Gewiss, der Handlungsverlauf ist zunächst einmal klar und einsichtig: Da beschließt der biblische Lazarus, einst von Christus von den Toten erweckt, angesichts der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gemischte Gefühle

Auf den großen Wurf mussten die Salzburger Pfingstfestspiele lange warten. Zwar kamen durchaus nam­hafte En­semb­­les und Solisten, doch gaben sie meist genau das zum Bes­ten, was sie ohnehin gerade parat hatten; nur wenige Novitäten fanden den Weg an die Salzach. Insofern war die Idee des neuen Intendanten Jürgen Flimm plausibel, Riccardo Muti eine Carte blanche...

Verblüffend authentisch

Luigi Cherubinis «Médée» gerät seit ihrer Pariser Uraufführung 1797 regelmäßig in Vergessenheit, um periodisch immer wieder neu entdeckt zu werden. Ihre jüngste Renaissance mit Inszenierungen in Wien (siehe OW 5/2008) und Brüssel (siehe OW 6/2008) verdankt sie Heiko Cullmanns 2007 erschienener, preisgekrönter Neuedition im Simrock-Verlag. Der Klagenfurter...

Liebespaare

Der wahrscheinlich kühnste unter den zahlreichen Versuchen, das «Zaïde»-Fragment zu komplettieren: Die ­israelische Komponistin Chaya Czernowin hat sich vor zwei Jahren im Auftrag der Salzburger Festspiele daran gewagt, Mozarts Musik mit ihren eigenen Klängen zu konfrontieren. Ein interessantes Unternehmen, das in der Kontrastierung durchaus erhellend für beide...