Kopflastig
Über seine Musik verliert Cristóbal Halffter in einem im Programmheft abgedruckten Interview zur Uraufführung seiner nach dem «Don Quijote» zweiten Oper kein Wort. Stattdessen lässt sich der Nestor der spanischen Komponistenszene über theologische und philosophische Hintergründe des Werkes aus, spricht über Platons Höhlengleichnis und über die Apokryphen, über Fragen der Schuld und über das Sterben. Dabei ist es einzig die Musik, die – wenn überhaupt – dem «Lazarus» Bestand sichern wird.
Eine Musik von eminenter Farbigkeit, aus fast tonlosem Nichts sich entwickelnd zu expressiv gesteigerten Entladungen, facettenreich flirrend, dann wieder bruitistisch zuschlagend, im Gesangsbereich mit strukturierendem Zugriff ausbalanciert zwischen Parlando, Kantilene und Schrei. Eine Musik, die während der knapp achtzig Minuten Spieldauer des Werkes in ihrem Nuancenreichtum immer wieder eine geradezu magische Sogwirkung entwickelt.
Das Libretto nach Texten des spanischen Literaten Juan Carlos Marset dagegen bereitet Kopfzerbrechen. Gewiss, der Handlungsverlauf ist zunächst einmal klar und einsichtig: Da beschließt der biblische Lazarus, einst von Christus von den Toten erweckt, angesichts der ...
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Was wohl mag Georg Friedrich Händel bewogen haben, den Londonern im Jahr 1744 statt des gewohnten Oratoriums die Vertonung eines vierzig Jahre alten Opernlibrettos vorzusetzen, noch dazu ein Werk William Congreves, des Großmeisters der englischen «Comedy of Manners», die zu diesem Zeitpunkt längst aus der Mode war? Deren Kennzeichen ist die hochentwickelte und...
Der wahrscheinlich kühnste unter den zahlreichen Versuchen, das «Zaïde»-Fragment zu komplettieren: Die israelische Komponistin Chaya Czernowin hat sich vor zwei Jahren im Auftrag der Salzburger Festspiele daran gewagt, Mozarts Musik mit ihren eigenen Klängen zu konfrontieren. Ein interessantes Unternehmen, das in der Kontrastierung durchaus erhellend für beide...
So wenig Held war Lohengrin selten. Ein unauffälliger, ältlicher Mann in dunkelgrauem Mantel, der unbeachtet auf seinem Reisekoffer mitten im Volk von Brabant herumsitzt. Nicht einmal ein Schwert hat er dabei – das muss er sich für seinen Kampf gegen Telramund mal eben bei einem konsternierten Edlen leihen.
Aber da ist ja Elsa, das somnambule Mädchen, das...
