Musik über Musik
Die Wolken hängen tief im Mai. So tief, dass sie die Gipfel der steil aufsteigenden Hänge streifen. Die Bäume sind schwer vom feinen Regen, der in Bergen an bis zu 250 Tagen des Jahres niedergeht. Unten am Fjord dampft die Stadt, als wolle sie wenigstens einen Teil der Nässe ausschwitzen. Die Feuchtigkeit sitzt überall – in den engen Höfen der historischen Handelshäuser an den Bryggen; auf den rot, weiß, gelb oder blau gestrichenen Holzfassaden der alten Viertel hinter dem Fischmarkt; auf den Mauern der wuchtigen Domkirken, deren Geschichte bis ins 12.
Jahrhundert zurückreicht; im Zierputz und auf den Figuren des Jugendstiltheaters, das vornehm, ein wenig erhöht, abgerückt, über der Shopping-Meile Torgallmenningen thront.
Willkommen im frühsommerlichen Bergen. Wer das seit 1953 in der zweitgrößten Kommune Norwegens (260 000 Einwohner) jedes Jahr organisierte Internationale Festival «Nordische Impulse» besucht, sollte sich warm und wasserfest anziehen. Das vorwiegend einheimische Publikum (etwa zwei Drittel der Besucher) weiß das natürlich: Man strömt in Regenhäuten und (Designer-)Gummistiefeln zur Open-Air-Eröffnung in die zentrale Fußgängerzone, wo das städtische Filharmoniske ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Albrecht Thiemann
Wohl stammt die Forderung «Prima la musica» aus den Tagen der neapolitanischen Oper. Doch bei Opern-Recitals scheint sie immer noch en vogue, weil deren Zweck für die jeweiligen Sänger und die Schallplattenfirmen vor allem darin liegt, Stimmen quasi ins Schaufenster zu stellen. Wogegen im Grunde nichts einzuwenden ist – denn natürlich ist Oper Theater für und durch...
Vielleicht Wotans Abschied? Doch das, so dachte er sich im jugendlichen Vorwitz nach einem Blick in den Klavierauszug, kann niemand spielen. Dann lieber die Standards. «O Isis und Osiris» und ein Schubert-Lied, dies dummerweise im gedeckten, profunden Sound des Vorbildes. «Herr Groissböck», tönte es da aus dem Dunkel, «welchen Lieblingssänger haben Sie denn?» «Kurt...
Ein kleines Wunder zur rechten Zeit, nämlich pünktlich zum Mahler-Jahr: Die lange verschollen geglaubten Original-Bänder einer ORF-Aufzeichnung seiner Vokal-Symphonie «Das Lied von der Erde» vom Juni 1964 mit den Gesangssolisten Fritz Wunderlich und Dietrich Fischer-Dieskau tauchten als Kopie unerwartet im Privatarchiv der Familie des Dirigenten Josef Krips auf....
