Metamorphosen des Unverwechselbaren

Eine Individualistin, die sich mit jedem Stück neu zu erfinden sucht – Porträt der britischen Komponistin Judith Weir

Am liebsten schreibt sie für Freunde. Für Menschen, die sie gut kennt. Judith Weir hält wenig von Theorien, Programmen oder Schulen. Wichtiger ist ihr der Dialog mit den Interpreten, die ihre Musik aufführen. Egal ob es sich um Profis oder Laien handelt.

Hat nicht jede Sängerin, jeder Instrumentalist, jedes Orchester, jeder Chor eine Persönlichkeit, eine spezielle Aura, die man nicht einfach austauschen kann? Die Vielfalt, den Reichtum individueller Stimmen und Charaktere fand die in London aufgewachsene und heute wieder dort lebende Komponistin mit schottischen Wurzeln seit jeher faszinierend. Und es ist dieser inspirierte Sinn für das Einzigartige im Konzert erlebter Klänge, der ihren Werken ein Aroma des Unvergleichlichen, durch alle Raster Fallenden verleiht. Kein Stück gleicht dem anderen, keines kreist variierend um eine bereits eingeführte Idee oder ein schon erkundetes Motiv. Immer weht ein frischer Wind, gleichsam vom Nullpunkt der Imagination – einer Fantasie, die ohne große Gesten auskommt, vielmehr das poetisch verdichtete Understatement, die flüchtige Miniatur, die feine Ironie sucht.

Das zeichnet sich schon in «King Harald’s Saga» ab, einer Mini-Oper auf eine ...

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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Albrecht Thiemann

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