Multiple Schönheiten

Christophe Rousset, sein Instrumentalensemble Les Talens Lyrique, der Chœur de Chambre de Namur und exzellente Gesangssolisten rehabilitieren Antonio Salieris Dramma per musica «Armida»

Opernwelt - Logo

Das in der Oper über Jahrhunderte fruchtbar bestellte Konfliktfeld zwischen privater Passion und politischer Pflicht war schon zu Lebzeiten Antonio Salieris ein altes Lied. Er besang es neu, indem er sich, wie bereits Lully oder Händel vor ihm, Torquato Tassos «Gerusalemme liberata» vornahm. Marco Coltellini, Geburtshelfer der Opernreform von Salieris Mentor Christoph Willibald Gluck, schuf seinem aufstrebenden Landsmann für dessen Wiener Debüt auf dem verminten, weil im Barock weithin abgegrasten Gelände der Opera seria das passende Libretto – als verblüffend moderne Steilvorlage.

Da fehlen alle ausufernden Nebenhandlungen, das Geschehen ist in drei relativ kurzen Akten intensiv fokussiert auf Kreuzritter Rinaldo und Sarazenin Armida, denen als erstaunlich starke (und mit eigenen Arien gut bestückte) Dienerfiguren nur Ismene auf Seiten der Zauberin und Ubaldo als christlicher Eindringling zugesellt sind. Der statische Schematismus von Rezitativ und Arie ist weitgehend zugunsten eines flüssigen Formprinzips aufgehoben, das Chorsätze, Ballette, Arioses und Rezitavisches zu größeren Einheiten zusammenfasst, die die dramatische Spannung hochhalten. Salieri kann so in seiner ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2021
Rubrik: CD des Monats, Seite 33
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Verwandlungskünstler

Im April 2007 fand, schon lange überfällig, in Salzburg ein internationaler Strawinsky-Kongress statt, der einen doch leicht konsterniert zurückließ. Vergegenwärtigte er doch noch einmal die ein halbes Jahrhundert zurückliegende Kontroverse über Theodor W. Adornos «Philosophie der neuen Musik», samt ihrer Suche nach der «wahren» authentischen Moderne im Lichte der...

Ein weites Feld

Kaum hat man dieses Buch beglückt aus der Hand gelegt, kommt dem Leser jener legendäre Satz aus Theodor Fontanes Roman «Effi Briest» in den Sinn, zu dem Effis Vater stets dann greift, wenn er unangenehmen Diskussionen mit seiner Tochter entfliehen will. Dieses oder jenes sei, so der alte Briest, doch ein «weites Feld». Oswald Panagl, beinahe drei Jahrzehnte lang...

... aber es gibt Hoffnung

Oper und Corona. Man könnte inzwischen genauso gut von Gott und Satan sprechen. Die Zuschauerräume sind leer. Genau das, wofür wir innigst kämpfen sollen, die Oper, geht nicht mehr. Studieren, Opernregisseur werden, eine Karriere aufbauen, den Druck des Studiums aushalten, uns im (stark strukturierten) Establishment des (stark subventionierten) Opern-Business...