Die Königsmacher
Großfamilie, das trifft es nicht ganz, da gibt es zu viele Assoziationen über Opas und Omas, liebe Tanten und böse Onkel. Nennen wir es also Klassentreffen. Weil manchmal der eine nicht kann oder die andere nicht eingeladen wurde. Und weil diese Klasse aus ähnlichen Lebewesen, aus Ermöglichern und Spürhunden, Königsmachern und Königinnenkrönern besteht. Vor allem bei größeren Opernhäusern sitzen gern dieselben Gestalten am Tisch, die Runde trägt gleichwohl einen förmlichen Titel, sie nennt sich Findungskommission.
Nur zu gern verlassen sich die Rechtsträger der Häuser auf den Vorschlag dieser Experten. Auf (Ex-)Intendanten, Vertreter des Bühnenvereins, manchmal auch auf Journalisten: Deren Expertise braucht dann bloß noch abgenickt zu werden.
Eine praktische Sache ist das – und eine Monokultur, wie zum Beispiel Marcus Carl findet. «Die üblichen Verdächtigen», so ätzt der in Wiesbaden ansässige Künstleragent über das Kommissionswesen. «Die Kamarilla der Flimm- und Mortier-Kreise» habe die Spitzenpositionen in jahrzehntelanger Kontinuität besetzt. Doch diese Praxis ist in jüngster Zeit aufgebrochen worden, was die Szene teilweise in Aufruhr versetzt hat. Weniger, weil man um ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Magazin, Seite 56
von Markus Thiel
Das in der Oper über Jahrhunderte fruchtbar bestellte Konfliktfeld zwischen privater Passion und politischer Pflicht war schon zu Lebzeiten Antonio Salieris ein altes Lied. Er besang es neu, indem er sich, wie bereits Lully oder Händel vor ihm, Torquato Tassos «Gerusalemme liberata» vornahm. Marco Coltellini, Geburtshelfer der Opernreform von Salieris Mentor...
Als «hübsche Liederchen», die ihn hin und wieder zu einem Besuch der Dresdner Oper verlockten, soll der Leipziger Thomaskantor Bach die Arien seines Kollegen Johann Adolf Hasse bezeichnet haben. Diese Anekdote kommt einem in den Sinn, wenn man «Enea in Caonia» hört. In der Tat ist es vor allem die vokale Eleganz des galanten dolce stil novo, die diese 1727 aus...
Sieh an: Reisen ist nicht wie Fahrradfahren. Kaum bleibt man mal drei Monate zu Hause – zum Beispiel wegen einer Pandemie – ist die Jetset-Souveränität wie weggeblasen. Plötzlich kann man in der Nacht vorm ersten Flug vor Aufregung nicht schlafen und packt für vier Tage Köln den großen Überseekoffer.
Freiberufler in der Musikbranche müssen halt dahin, wo es noch...
