Die Königsmacher
Großfamilie, das trifft es nicht ganz, da gibt es zu viele Assoziationen über Opas und Omas, liebe Tanten und böse Onkel. Nennen wir es also Klassentreffen. Weil manchmal der eine nicht kann oder die andere nicht eingeladen wurde. Und weil diese Klasse aus ähnlichen Lebewesen, aus Ermöglichern und Spürhunden, Königsmachern und Königinnenkrönern besteht. Vor allem bei größeren Opernhäusern sitzen gern dieselben Gestalten am Tisch, die Runde trägt gleichwohl einen förmlichen Titel, sie nennt sich Findungskommission.
Nur zu gern verlassen sich die Rechtsträger der Häuser auf den Vorschlag dieser Experten. Auf (Ex-)Intendanten, Vertreter des Bühnenvereins, manchmal auch auf Journalisten: Deren Expertise braucht dann bloß noch abgenickt zu werden.
Eine praktische Sache ist das – und eine Monokultur, wie zum Beispiel Marcus Carl findet. «Die üblichen Verdächtigen», so ätzt der in Wiesbaden ansässige Künstleragent über das Kommissionswesen. «Die Kamarilla der Flimm- und Mortier-Kreise» habe die Spitzenpositionen in jahrzehntelanger Kontinuität besetzt. Doch diese Praxis ist in jüngster Zeit aufgebrochen worden, was die Szene teilweise in Aufruhr versetzt hat. Weniger, weil man um ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Magazin, Seite 56
von Markus Thiel
Auf der einen Seite Virologen, Politiker und große Teile der Bevölkerung, die zur Bekämpfung der Pandemie radikale Kontaktbeschränkungen fordern, durchsetzen, akzeptieren. Auf der anderen Seite diejenigen, die froh sind über jede Sondergenehmigung des Senats für die künstlerische Ausbildung, über jeden irgend möglichen Gestaltungsspielraum. Unsere Ausbildung lebt...
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