Mozart: La clemenza di Tito
Erneut stellt sich die Frage: Was fangen wir heute an mit Titus und seiner Clemenza? Regisseur David McVicar scheint Hildesheimer gelesen zu haben, der den Edelmut des Imperators «auf Kosten jeder psychologischen Wahrheit besonders penetrant» fand, «da der Held selbst mehrfach darauf hinweist». So lässt der Regisseur an der English National Opera den Herrscher von dessen Garde, einem seltsamen Haufen in strenger Choreografie sich bewegender Kämpfer nach Vorbildern aus Fernost, am Schluss mit ihren Speeren metzeln.
Ein «Titus» auch für unsere Ellenbogengesellschaft, etwa nach dem Motto: Der Starke braucht Milde nicht zu üben, und für den milden Schwachen ist kein Platz? Das Ende von McVicars Inszenierung erinnert eher an den Mord an Julius Cäsar – der Regisseur verweigert bewusst alle allzu deutlichen Anspielungen an die Gegenwart. Wieder die bei McVicar trotz unterschiedlicher Bühnenbild-Partner mittlerweile beinahe obligaten Querverbindungen zur bildenden Kunst: Die beweglichen Bühnenelemente von Ausstatter Yannis Thavoris zitieren Skulpturen der Bildhauerin Cristina Iglesias und geben dem Geschehen das Flair überzeitlichen Spiels.
In dessen Zentrum steht hier Vitellia, ...
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