Mozart: La clemenza di Tito

London, English National Opera

Opernwelt - Logo

Erneut stellt sich die Frage: Was fangen wir heute an mit Titus und seiner Clemenza? Regisseur David McVicar scheint Hildesheimer gelesen zu haben, der den Edelmut des Imperators «auf Kosten jeder psycholo­gischen Wahrheit besonders penetrant» fand, «da der Held selbst mehrfach darauf hinweist». So lässt der Regisseur an der English National Opera den Herrscher von dessen Garde, einem seltsamen Haufen in strenger Choreografie sich bewegender Kämpfer nach Vorbildern aus Fernost, am Schluss mit ihren Speeren metzeln.


Ein «Titus» auch für unsere Ellenbogengesellschaft, etwa nach dem Motto: Der Starke braucht Milde nicht zu üben, und für den milden Schwachen ist kein Platz? Das Ende von McVicars Inszenierung erinnert eher an den Mord an Julius Cäsar – der Regisseur verweigert bewusst alle allzu deut­lichen Anspie­lungen an die Gegenwart. Wieder die bei McVicar trotz unterschied­licher Bühnenbild-Partner mittlerweile beinahe obligaten Querverbindungen zur bildenden Kunst: Die be­weg­lichen Bühnenelemente von Ausstatter Yannis Thavoris zitieren Skulpturen der Bildhauerin Cristina Iglesias und geben dem Geschehen das Flair überzeit­lichen Spiels.
In dessen Zentrum steht hier Vitellia, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2005
Rubrik: kurz berichtet, Seite 49
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Klassiker und Fundstücke aus den frühen Fünfzigern

Zwei Klassiker der Mono-Ära, die Decca- «Salomé» unter Clemens Krauss (1954) und «Hänsel und Gretel» unter Herbert von Karajan (EMI, 1953), wurden jetzt bei Naxos neu aufgelegt, auf der Grundlage der britischen Original-LPs von Mark Obert-Thorn restauriert. Krauss führt das Riesenorchester von Strauss zu kammermusikalischer Klarheit und Leichtigkeit, ohne der...

Mehr als drei Schwestern

Seit vielen Jahren begegnen sich in Salzburg zur Festspielzeit Musik-, Literatur- und Theaterwissenschaftler, um sich in einem Symposion, das seit drei Jahren offizieller Teil des Sommerprogramms ist, über ein Thema zu unterhalten, das seine Wurzeln im Programm der Festspiele hat. Viele faszinierende Tagungsbände des Verlags Müller-Speiser belegen Reichtum und...

Faszinierende Unerbittlichkeit

Meine Berührungen und Erfahrungen mit der Musik von Karlheinz Stockhausen wurden durch die nächtlichen Studiosendungen des Bayerischen Rundfunks und des Hessischen Rundfunks Ende der fünfziger Jahre ermöglicht. Instinktiv vermittelte sich mir hierbei eine einzigartige schöpferische Persönlichkeit, von der, ich kann es nicht anders sagen, eine außergewöhnliche, aber...