Allzu schönes Grauen
Es hätte ein aufwühlendes Stück Musiktheater werden können: die Geschichte eines infolge einer Hirnschädigung im frühen Kindesalter geistig zurückgebliebenen Mannes, der sich, so der Titel der Fallstudie des Neurologen Oliver Sacks, als «ein wandelndes Musiklexikon» erweist. Mit dem Tod der Eltern beginnt der Abstieg des bis dato behüteten Mannes, der schließlich die Einweisung in eine psychiatrische Klinik zur Folge hat.
Allmählich findet sein Arzt heraus, dass Musik, insbesondere Wagners «Parsifal» und Bachs «Matthäus-Passion», diesen Mann «heilen» kann, dass Singen und Chorleitung schon für den jungen Autisten (Über-)Lebenselexier war. Sein Vater hatte ihm jahrelang nicht nur den «New Grove» vorgelesen, sondern auch immer wieder mit dem Jungen Schallplatten gehört, und ihm – als Mitglied der Met – aus Opern vorgesungen. Viele Gesangspartien kannte Martin daher auswendig, aber auch Namen und Straßenzüge, die er nur einmal gelesen hatte. Mit einer Apotheose auf den Text des «Magnificat» endet denn auch die fünfundsiebzigminütige Kammeroper Thomas Bartels strahlend affirmativ und opulent.
Karg dagegen der Beginn mit den Herzschlägen des Patienten, der im mit grauem ...
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