Monteverdi war stärker
Wie es fassen? Wie es genau definieren? «Alles klingt natürlich, es ist Kunst und es ist Natur», müht sich Nikolaus Harnoncourt um eine Einkreisung. «Der Komponist malt und seine Klänge bewegen sich.» Und das Spielen? «Wir machen es alles so, als gäbe es nichts als lebende, überraschende Musik.» Ende der 1960er-Jahre ist das passiert, bei «L’Orfeo». Und wer diese Zeilen liest, spürt noch heute das Staunen, das einhergeht mit Erkenntnis und Erleuchtung.
Nicht nur wie in diesem Fall bei Monteverdi, auch bei den anderen Meistern aus Renaissance und Barock, nach einigen Jahren dann bei Mozart. Und gerade weil diese Texte oft ungeschliffen sind, aus einem emphatischen Erzählen heraus geboren, spürt man viel von dieser Aufbruchstimmung, die mit «Revolution der Aufführungspraxis» nur ungenügend und viel zu abstrakt umschrieben ist.
Schon einige Bücher gibt es von Harnoncourt, doch dieses ist besonders. «Wir sind eine Entdeckergemeinschaft» versammelt Essays, Notizen, Tagebucheinträge, sogar nie abgeschickte, sarkastische Briefe an Kritiker des 2016 gestorbenen Doyens der Alten Musik. Seine Ehefrau Alice Harnoncourt hat dazu ins Familienarchiv gegriffen, um die Entstehungszeit des ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Buch des Monats, Seite 29
von Markus Thiel
Ist die alte, die Musik des Mittelalters im 21. Jahrhundert das eigentlich Neue? Der Gregorianische Choral? Die mehrstimmigen Gesänge der Notre-Dame-Schule und der Ars Nova? Für Arvo Pärt liegt die Zukunft fraglos in der Vergangenheit. Vorwärts zu den Ursprüngen – so könnte man die Haltung umreißen, die Pärts Kompositionen seit den späten 1970er-Jahren...
Einer der besten französischen Tenöre derzeit ist eigentlich Gastarbeiter. Der US-Amerikaner Bryan Hymel wird für Partien à la Berlioz geholt, bei denen es für die Kollegen schnell heikel wird. Und das Beste: Der 38-Jährige gibt nicht die Stratosphären-Trompete, überzeugt vielmehr mit Stilbewusstsein, idiomatischer Textbehandlung und verblüffender Leichtigkeit. So...
Ein Sonntagmorgen in Kassel. Die Stadt liegt noch im Schlummer. Auch rund ums Staatstheater am Friedrichsplatz sind nur einige versprengte Frühjogger zu sehen. Doch in einem der Zimmer brennt Licht. Und dort empfängt, nur zehn Stunden nach der begeistert aufgenommenen Premiere von Leoš Janáčeks «Jenůfa», Francesco Angelico zum Gespräch.
Seit Beginn dieser...
