Versuchsanordnung

Kürstner/Vogel: Wahlverwandtschaften
Bremen | Theater am Goetheplatz

Opernwelt - Logo

Es ist ein kühnes Unterfangen, Goethes «Wahlverwandtschaften», jenen Roman, der auch für gestandene Germanisten nicht unbedingt zu den kurzweiligsten Lektüreerinnerungen gehört, auf ein Musiktheaterstück von knapp zwei Stunden einzudampfen.

Der für das Libretto zuständige Autor Armin Petras reduziert Goethes in epischer Breite angelegtes Werk dazu auf seinen experimentellen, in der Dichtung gleichsam auf chemische Konstellationen zurückgeführten Grundgehalt: Zwei zunächst scheinbar innig verbundene Paare lösen sich voneinander und gehen eine neue geistig-erotische Verbindung mit dem jeweils anderen Gegenüber ein. Diese menschliche Versuchsanordnung wird in die Gegenwart versetzt – gerade heute spielt der Begriff des «Lebensabschnittsgefährten» ja eine immer bedeutendere Rolle in der Paarbeziehung – und dem Zuschauer in meist banalen Sätzen, oft Ich-Aussagen, kundgetan. Dazu kommen zwei längere, ziemlich moralinsaure Reden über die Liebe und über das Glücklichsein sowie eine Reihe lyrischer Popsong-Texte in englischer Sprache.

Das alles ist Material zu einem Work in Progress, das zusammen mit Kompositionsangeboten der beiden Musiker Thomas Kürstner und Sebastian Vogel laut ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2018
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhart Asche

Weitere Beiträge
Pädagogisch wertvoll

Es gibt diese Geschichten. Geschichten, die so gehaltvoll ausgezirkelt, so zeitlos verrätselt sind, dass man sie immer wieder hören möchte. Wolfram von Eschenbachs große Erzählung über den Ritter Parzifal, der in die Welt hinauszog, um sich, seine Bestimmung und wohl auch das Glück zu suchen, ist so eine Geschichte.

Doch muss man sie reduzieren, humorisieren,...

Donaugeister

Hätte Nietzsche «Die Rheinnixen» gekannt, hätte er seine Meinung, Jacques Offenbach, «dieser geistreichste und übermütigste Satyr», sei «eine rechte Erlösung von den gefühlsamen und im Grunde entarteten Musikern der deutschen Romantik», womöglich relativiert. Denn es handelt sich hier durchaus um ein Werk, das als romantische Oper sui generis durchgeht, keineswegs...

Kritisch distanziert

Am Bielefelder Theater kümmert man sich noch liebevoll um seine Premierenabonnenten. Weil nicht jeder wissen kann, dass ein Bühnenwerk von zweieinhalb Stunden Dauer wie «Das Rheingold» ohne Pause gespielt wird (zweifelsohne eine gezielte Gemeinheit Wagners gegen die gesellschaftlichen Usancen seiner Zeit), wird an der Bar empfohlen, vor dem Ereignis schnell noch...