Montemezzi: L´amore dei tre re
Einen Monat nach Italo Montemezzis erfolgreicher Uraufführung von «L’amore dei tre re» an der Mailänder Scala 1913, die jetzt als Koproduktion mit dem Theater Erfurt in Turin herauskam, sorgte Strawinskys «Sacre du Printemps» in Paris für einen Skandal. Hier wie dort gibt es ein tragisches Frauenopfer – blutrünstiges Modethema vor dem Ersten Weltkrieg.
Montemezzi und sein Librettist, der schillernde Poet Sam Benelli, verlegten ihre stilisierte Königsgeschichte in ein ästhetisiertes Mittelalter und rankten die Mordtaten um eine Frauenfigur, deren Name schon wie ein Jugendstil-Motiv klingt: Fiora. Ihrer wollüstigen Aura sind gleich drei Männer – und Stimmfächer – verfallen. Mit dem Bariton, Manfredo, ist Fiora gegen ihren Willen verheiratet. Avito – naturgemäß ein Tenor und dazu noch von der gegnerischen Partei – wird sie sich im ersten Akt hingeben, und den Greisenbass kann sie sich kaum von der Wäsche halten: ihren blinden Schwiegervater Archibaldo. Der erwürgt sie prompt, und Regisseur Guy Montavon, der sonst ein recht statisches Kammerspiel in grauem Urzeiten-Granit inszeniert, lässt den Alten nekrophil über die schmählich geknickte Blume herfallen. Oleg Caetani nimmt das Werk ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Viel fehlte nicht, und das vermutlich merkwürdigste Relikt aus Wagners tristester Lebensphase wäre im Orkus der Musikgeschichte verschwunden: Nur ein einziges gedrucktes Exemplar seiner 1840/41 entstandenen Bearbeitung von Donizettis «La Favorite» für zwei Violinen hatte sich im Nachlass des französischen Pianisten und glühenden Wagnerianers Alfred Cortot erhalten...
Mit seinem Engagement für Zeitgenössisches stieß Aachens scheidender Intendant Paul Esterhazy auf unterschiedliche Reaktionen. Als Dramaturg begleitete er die Mannheimer Uraufführung von Detlev Müller-Siemens’ «Menschen» und hat das Werk jetzt nach Aachen geholt. Ein «harter Brocken», nimmt das Werk doch radikal Abschied von Traditionen. Der Komponist spricht...
Wer ein Schloss bewohnt, verkörpert zwangsläufig ein Stück Tradition. Man trägt also Louis Quinze beim Marchese della Conchiglia (ein Hoch auf die edel genähten Rokoko-Kostüme von Jens Hübner), möchte heute aber auch im Schlosstheater Rheinsberg auf die Annehmlichkeiten der Moderne nicht mehr verzichten. Als da wären Sonnenbank, Hometrainer, höllisch rote Pumps und...
