Momentaufnahmen
Jetzt wissen wir es also ganz genau: Paul, der den Tod seiner geliebten Marie betrauert, leidet unter dem Borderline-Syndrom, einer – wie das Programmheft für alle Nicht-Mediziner im Publikum hilfreich erläutert – Persönlichkeitsstörung, die mit Selbstverletzungen des Patienten einher geht. Was auf der Bühne eine reichlich unappetitliche Angelegenheit ist.
Außerdem rammt Paul, da er ohnehin gerade am Schnippeln ist, der von ihm hass-geliebten Marietta nach der gemeinsamen Liebesnacht die Schere in den Bauch, womit sich der Regisseur der ebenso wirkungsvollen wie symbolträchtigen Todesart des Erwürgens mit Mariens Haarflechte entledigt. Aber wir haben es bei Michael Schulz offenbar wieder einmal mit einem jener Theatermacher zu tun, die es besser wissen als der Komponist und Imagination durch Banalitäten ersetzen.
Was schade ist. Denn durch solche irritierenden Gedankenspiele verliert die in weiten Passagen suggestiv bebilderte Inszenierung (Bühne: Jan Bammes) viel von ihrer Qualität. Das kahle, schmucklose, an ein Krankenzimmer erinnernde Ambiente des ersten Aktes, die überdimensionale Zwangsjacke für Paul zu Beginn des Traumes, das surrealistisch überbordende Spiel der ...
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