Mittlerin zwischen den Welten

Lamia Yared und das Ensemble Oraciones mit Musik aus dem Osmanischen Reich

Opernwelt - Logo

Müsste man eine irgendwie adäquate Übersetzung für den Titel des Albums «Lumières Ottomanes» der libanesischen Sängerin Lamia Yared und des Ensemble Oraciones finden, so wäre wohl «Vielfalt des Osmanischen Reichs» am ehesten angemessen. Denn was die Sängerin und ihr Ensemble hier versammeln, lässt sich weder auf einen ästhetischen noch auf einen epochenmäßigen Nenner bringen. Wir hören Musik, die sich von ihrer osmanischen Herkunft her über Vorderasien zum Balkan, vom mittelalterlichen Spanien bis nach Konstantinopel, Griechenland und noch weiter erstreckt.

Musiziert auf Bratsche, Kanun (eine orientalische Kastenzither), Schlagzeug, Kemençe (eine türkische Kastenhalslaute), Violoncello, Oud (eine Schalenhalslaute aus dem vorderen Orient) und Klarinette; nebst Gesang freilich. 

«Landarico» etwa erzählt als Ballade eine Geschichte über weibliche Untreue: Eine Königin wird für den von ihr begangenen Ehebruch mit dem Tode bestraft. Ursprünglich spanisch, fand «Landarico» im sephardischen Sprachraum sowie in Serbien und anderswo Verbreitung. Gleich dieser (zweite) Titel des Albums steht demgemäß als Synonym für die vielfältigen Wege von Geschichten und Geschichtsvarianten des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 36
von Arno Lücker

Weitere Beiträge
Hello Baby!

Ob man 70 Jahre alt werden müsse, um zu erkennen, dass man eigentlich für den Kitsch die größte Begabung habe, fragte Richard Strauss, als er die «Arabella» komponierte. Eine rhetorische Frage, natürlich. Auch in der «Frau ohne Schatten», die als Hauptwerk konzipiert war, darf Kitsch sein. Etwa wenn der fesche Menschenkaiser – nicht zufällig ein Tenor – seine...

Die ungefähre Welt

Der Wahnsinn hat Methode bei Shakespeare, vor allem in höheren Kreisen. König Leontes, von seiner Eifersucht übermannt, mutiert zum tauben Tyrannen, Macbeth und seine Lady ertrinken im Blut ihrer Mordlust, Lear irrt, seines Reichs und aller Ideale beraubt, über die Heide, und selbst ein Rationalist wie Richard III. entkommt den Geistern nicht, die er rief. In all...

Das Eis schmilzt

Es könnte sich gut in einem kleinen italienischen Opernhaus abspielen, was nach Cio-Cio-Sans berühmter Arie »Un bel di, vedremo« passiert: Die Primadonna steht in einem sehr konventionellen Bühnenbild auf dem Steg im Rampenlicht und schüttelt die ausgebreiteten Arme für noch mehr Bravi. Im begeisterten Publikum befinden sich augenscheinlich Claqueure, der Dirigent...