Mittlerin zwischen den Welten

Lamia Yared und das Ensemble Oraciones mit Musik aus dem Osmanischen Reich

Opernwelt - Logo

Müsste man eine irgendwie adäquate Übersetzung für den Titel des Albums «Lumières Ottomanes» der libanesischen Sängerin Lamia Yared und des Ensemble Oraciones finden, so wäre wohl «Vielfalt des Osmanischen Reichs» am ehesten angemessen. Denn was die Sängerin und ihr Ensemble hier versammeln, lässt sich weder auf einen ästhetischen noch auf einen epochenmäßigen Nenner bringen. Wir hören Musik, die sich von ihrer osmanischen Herkunft her über Vorderasien zum Balkan, vom mittelalterlichen Spanien bis nach Konstantinopel, Griechenland und noch weiter erstreckt.

Musiziert auf Bratsche, Kanun (eine orientalische Kastenzither), Schlagzeug, Kemençe (eine türkische Kastenhalslaute), Violoncello, Oud (eine Schalenhalslaute aus dem vorderen Orient) und Klarinette; nebst Gesang freilich. 

«Landarico» etwa erzählt als Ballade eine Geschichte über weibliche Untreue: Eine Königin wird für den von ihr begangenen Ehebruch mit dem Tode bestraft. Ursprünglich spanisch, fand «Landarico» im sephardischen Sprachraum sowie in Serbien und anderswo Verbreitung. Gleich dieser (zweite) Titel des Albums steht demgemäß als Synonym für die vielfältigen Wege von Geschichten und Geschichtsvarianten des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 36
von Arno Lücker

Weitere Beiträge
Steile Thesen

Wie war das noch gleich in Ingomar von Kieseritzkys «Mord in der Villa Massimo»? Malt da nicht ein frommer katholischer Künstler unentwegt Monstranzen – bis sich herausstellt, dass der Schlawiner immer nur das weibliche Genital damit gemeint hat? Vergleichbare Heuchelei, aber ohne ironischen Twist, stellt Anita Rutkofsky in ihrer Regie von Janáčeks «Katja Kabanowa»...

Schicksalsschläge einer Königin

Unter den Bühnenwerken von Gaetano Donizetti findet sich kein einziges mit dem Namen «Bastarda». Was jetzt am Théâtre La Monnaie an zwei Abenden zu sehen war, trug gleichwohl diesen Titel und den Namen des Komponisten. Der zureichende Grund: In vier Opern Donizettis spielt Elisabeth Tudor, die Tochter Heinrichs VIII., eine zentrale Rolle. Olivier Fredj nahm dies...

Undine geht

Ein Herz pocht. Sanft, kaum hörbar, in wiegenden Triolen. Es könnte das Herz der Natur sein, aber auch das jener Nymphe, die hier, abseits der Menschenwelt, ein Dasein fristet, welches ihr Glücksmomente nur noch selten beschert; der elegisch-wehmütige Streichergesang in der Ouvertüre von Dvořáks «Rusalka» erzählt geradezu rührend davon. Doch würde die schöne...