Mit dem Clown kommen die Tränen
Tutto nel mondo è burla? Was, zumindest in Teilen, für Verdis weisen «Falstaff» gilt, trifft auf die meisten veristischen Opern, die danach komponiert wurden, kaum zu. Das Leben ist kein Vergnügen, es ist Kampf und Krampf, zuweilen zorndurchglüht und zynisch, kurz: eine existenzielle Erfahrung und nicht immer die allerbeste. Das Lachen dient nur als Fassade für die Tränen, die dahinter wohnen, und selbst im grobkörnigsten Scherz steckt ein Körnchen bitterer (tödlicher) Wahrheit.
So ist es auch in Leoncavallos «Pagliacci».
Und wenn sich nach der Ouvertüre, in der die drei zentralen Leitmotive (Trauer, Rache, Liebe) vom Staatsorchester Hannover unter der Leitung von Mario Hartmuth kristallin (Trauer) kraftvoll (Rache) und klandestin (Liebe) vorgestellt wurden, in Hannover der Vorhang hebt, kann man das sehr früh schon deutlich genug sehen. Ralf Käselaus Bühne ist ein Trümmerfeld, ein Abgrund – ein Schlund. Mag sie vor Urzeiten mal eine glanzvolle Manege gewesen sein, jetzt präsentiert sie sich als ein Ort, an dem Träume kaum mehr geträumt werden können – es sei denn, es handelt sich dabei um Albträume. Die Zuschauerränge gleichen einer Rutschbahn, das Lampenwerk könnte mal repariert ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Jürgen Otten
Nur ein einziges Mal, etwa in der Mitte des Stücks, wird die Beziehung der beiden Frauen klar: «Mommy», singt da Bibi, worauf Lumee mit einem Wutausbruch reagiert, dass die Tochter es wagte, sie als Mutter anzusprechen. Es ist die Schlüsselszene in Ellen Reids Kammeroper «PRISM» auf ein Libretto von Roxie Perkins. Die amerikanische Komponistin aus Tennessee gewann...
Wie konnte es sein, dass nach John Eliot Gardiners Pioniertat von 1987 in Lyon und beim Festival d’Aix-en-Provence, die Glucks erster französischer Oper messerscharfe Konturen und (durch einige rustikale Kürzungen der Divertissements) eine Dramaturgie aus dem Geist der Opernreform verliehen hatte, Riccardo Muti 2002 in Mailand noch einmal ein groß besetztes...
Der Titel des achten (und vor dem Epilog) letzten Bildes aus Mieczysław Weinbergs Oper «Die Passagierin» verrät kaum, welch gewaltige Peripetie in ihm steckt und wie viel von der Idee eines Menschen in der Revolte. «Konzert» ist dieses Bild überschrieben, und ein ebensolches steht nun auch in jenem Raum des Badehauses im KZ Auschwitz an, der jedoch im Theater...
