Menschlich, allzu menschlich
Das ganze Drama, die ganze Tragik steckt in drei Takten. Wenn man den Sextaufschwung und den fallenden Sekundschritt abzieht, mit denen die Celli, pianissimo, auf jenen berühmten Akkord hinleiten, den Wagner ins Zentrum seiner symphonisch flutenden «Handlung in drei Aufzügen» stellt, sind es sogar nur zwei Takte, die gleich zu Beginn das fatale Glück Tristans und Isoldes auf den Punkt bringen.
Die F-H-Dis-Gis-Schichtung von Oboe, Klarinette, Fagott und Englischhorn beschwört die Schwebe, in ihr scheint das «chromatische Ringen» (Martin Gregor-Dellin) einer Musik signalhaft geronnen, die zwar nicht die Spannung zwischen Dur und Moll, aber die Idee einer harmonischen Mitte aufgibt. Der Weg ist hier das Ziel, der Sinn der Klänge erschließt sich erst aus ihrer (potenziell) unabschließbaren Bewegung. Die offene, fließende Struktur der «Tristan»-Musik hatte Wagner auch im Auge, als er Mathilde Wesendonck, seine Isolde im wirklichen Leben, am 29. Oktober 1859 wissen ließ: «Meine feinste und tiefste Kunst möchte ich jetzt die Kunst des Übergangs nennen, denn mein ganzes Kunstgewebe besteht aus solchen Übergängen: das Schroffe und Jähe ist mir zuwider geworden...»
Schon der im ...
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