Mensch, werde wesentlich!

Das Stadttheater Bremerhaven bringt Jüri Reinveres «Peer Gynt» erstmals in der deutschen Originalfassung heraus. Ein Stück, das die Krankheiten der Zeit drastisch vorführt, aber auch Wege der Hoffnung freihält

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In der Vorstellungskraft dieses Mannes scheint nichts unmöglich: Ein Haus errichten und eine Familie gründen will Peer Gynt mit einer Braut, die er eben von der Hochzeit weggestohlen hat (als sie sich ihm nicht willig zeigt, wandelt sich Zuneigung innerhalb eines Wimpernschlags in Hass, die Begehrte wird als «Hure» abgestoßen, als wäre zuvor nichts geschehen). Luftschiffe will er bauen, später Luftschlösser.

Und als seine Mutter Åse gestorben ist – ratlos steht er vor ihrem Leichnam und kümmert sich bald schon wieder um sein Hauptgeschäft: die Identitätserfindung –, gibt er sein neues Ziel aus: Er möchte «ein Mann des Friedens» werden.

Spätestens da muss man an eine Figur wie Donald Trump denken, der damit prahlte, im Handumdrehen Frieden in der Ukraine herstellen zu können – den Traum vom Friedensnobelpreis womöglich im Hinterkopf. Der Weg zum Frieden führt bei Peer Gynt offenbar über den Zynismus: Die Heimat Norwegen hinter sich lassend, wird er zum europaweit tätigen Geschäftsmann, der keine Waren mehr verkauft, sondern nur noch Lizenzen und Optionen, mithin: heiße Luft. In Marokko, in der Sonne des Südens angekommen, erläutert er den staunenden Geschäftskollegen sein ...

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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Clemens Haustein

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