Melancholie, mon amour
Unselige Stunden, zunächst. Denn in der dunklen Dämmerung, da dieser Beitrag begonnen wurde, beschädigte Deutschland seinen Ruf. Zumindest den auf dem grünen Rasen, der nach 2014 in Rio de Janeiro ohnehin kaum mehr bestätigt wurde, sondern ständig gefährdet war.
Am Ende jenes Abends also, da Spanien Deutschland im opernträchtigen Sevilla dramatisch mit 6:0 demütigte, legten wir uns, auch angesichts des Überdrusses an Jogi Löws verkniffenen Erklärungen, zum Trost unbezwingbar Deutsches auf: Lieder, unter anderem von Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann, Mendelssohn, Liszt, Brahms, Wolf, Mahler, Strauss, Zemlinsky. Dazu quasi als Gäste auf den Außenbahnen Dvořák, Tschaikowsky, Grieg – dies alles dargebracht vom Münchner Edelbarden Jonas Kaufmann zusammen mit Helmut Deutsch, seinem pianistischen Eckermann seit Jahren.
Die «Selige Stunde», so der Titel des Albums, entstand quasi in alter Salontradition im Heim des Sängers. Denn Kaufmann nutzte die besondere Lockdown-Situation im Frühjahr kreativ: Da Proben im öffentlichen Raum untersagt waren, bat er das Produktionsteam ins heimische Wohnzimmer. Das Programm der Aufnahme folgt quasi einer «Schmankerl»-Dramaturgie, es bringt vieles ...
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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Gerhard Persché
Gedacht waren die drei Gedichte als Trost. Als Hinweis an den Freund, hier habe doch ein Mensch vor knapp 400 Jahren das in Worte gefasst, was Wolfgang Rihm, den schwer Erkrankten, gerade bewegte. Mag bei Bariton Georg Nigl keine Absicht dahinter gesteckt haben, doch wer einem Komponisten Texte schickt, muss mit Vertonung rechnen. In diesem Fall wurde es ein...
Der Titel spiegelt den ewigen Wunsch des Menschen, dass nicht alles vorüber sei nach dem letzten Aufflackern der Gehirnströme; dass hinter den Momentaufnahmen unseres Lebens eine grandiose Totale stehe. Und in der Tat: Wäre es nicht eine schlimme Farce, wenn etwa Goethes «Faust» und Mozarts Symphonien, Wagners «Ring» bloß Resultate spezieller neurophysiologischer...
JUBILARE
Gabriele Schnaut studierte Musikwissenschaft und Violine in Mainz und absolvierte anschließend ihre Gesangsausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main bei Elisa Cavelti. Als Alt-Solistin in den Kantaten und Oratorien Bachs machte sie bereits während ihres Studiums, das sie als Stipendiatin der Studienstiftung des...
