Fein dosiert
Gedacht waren die drei Gedichte als Trost. Als Hinweis an den Freund, hier habe doch ein Mensch vor knapp 400 Jahren das in Worte gefasst, was Wolfgang Rihm, den schwer Erkrankten, gerade bewegte. Mag bei Bariton Georg Nigl keine Absicht dahinter gesteckt haben, doch wer einem Komponisten Texte schickt, muss mit Vertonung rechnen. In diesem Fall wurde es ein 20-minütiger Liedzyklus, mit dem sich Rihm gleichsam ins Leben zurückkomponierte und den er, natürlich, Nigl widmete.
Rihms «Vermischter Traum», Lebensrandreflexionen auf die Lyrik von Andreas Gryphius und uraufgeführt im Herbst 2019, steht in der Tradition von Martins «Jedermann-Monologen» und Brahms’ «Vier ernsten Gesängen». Was die Lieder nicht bieten: ungefilterte Schmerzensgestik, ein Herausschreien von Verunsicherung, Angst und Leid. Viel hat das zu tun mit Georg Nigl selbst, wie man auf der CD «Vanitas» hören kann. Immer wieder werden Phrasen abgefangen ins Leise, Nachdenkliche. Nur im Zentrallied «Andante» (Rihm nahm mehrere Vortragsbezeichnungen als Titel) scheint sich das lyrische Ich mit dem Klavierpart hochzuschaukeln und an Selbstgewissheit zu gewinnen. Ein Aufbäumen, eine Vehemenz, die jedoch nie ungebrochener ...
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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: CD des Monats, Seite 27
von Markus Thiel
Am 27. März 2019 nahm Edita Gruberová am Münchner Nationaltheater ihren Abschied von der Bühne – als Elisabetta in Gaetano Donizettis «Roberto Devereux», die am Ende dieser Oper der Herrschaft entsagt. Der Thron einer Königin der Koloratur wurde frei und eine der derzeit weltweit gefeierten Vertreterinnen des virtuosen Sopranfachs machte sich bereit, diesen Thron...
Ach, was war das für eine Szene: herrlich! Lang ist’s her, aber unvergessen. Ein Abend im Vorfrühling 1994, die Premiere von Brechts Lehrstück «Der gute Mensch von Sezuan» an der Berliner Volksbühne. Als der Vorhang hochging, sahen wir da nur ein einsames, auf einer Stange drapiertes Mikrofon. Und dann, eine gefühlte Ewigkeit später, stand die Schauspielerin...
62. Jahrgang, Nr 2
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752341
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