Melancholie des Südens
Des künftigen Dogen Simon Boccanegras Braut scheidet auf eben jener steinernen Bahre aus der Welt, auf die sich der Gebieter über Genua ein Vierteljahrhundert später ebenfalls zum Sterben niederlegen wird. So schließt sich für Regisseur Richard Jones ein von tiefer Melancholie gezogener Kreis. Am Beginn steht das Eheverbot Fiescos und Marias gram -erfüllter Tod, am Ende das Hinscheiden des durch Gift hingerafften genuesischen Staatsoberhaupts.
Die Ausrufung des jungen Gabriele Adorno als dessen Nachfolger erscheint angesichts der Rankünen, die diesen Schritt begleiten, als kaum glaubwürdiger und eher belangloser Epilog. Zwar hatte in der Ratsszene zunächst die Begeisterung des risorgimento Oberhand gewonnen – Verdi bietet dazu noch einmal alle denkbare Emphase auf. Doch stimmt Jones’ düstere Sicht mit jenem tiefen Verdruss über die politischen Verhältnisse überein, die Verdi mitunter schwarz für Italien sehen ließen. Ob Adorno aus Liebe die Standesschranken durchbricht oder Fiesco final Boccanegras Format begreift und nun selbst zur Versöhnung der sozialen Gegensätze beiträgt: Das utopische Moment scheint auf wie ein Silberstreif am Horizont.
Indessen bleibt ganz und gar fraglich, ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Michael Kaminski
Kann es sein, dass wir von Mozart wenig verstanden haben? Dass seit der Uraufführung des «Don Giovanni» bis auf unsere Tage vorwiegend Irrtümer und ideologische Verfälschungen die Runde machen? Wer das mit kühnen Thesen aufwartende Buch von Gerd Michael Herbig studiert, kommt unweigerlich zu diesem Schluss. Die einzigartige Komplexität des Werkes ist bislang nur...
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten P = Premiere UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
Aachen
Theater Aachen
www.theateraachen.de
- Mozart, Die Zauberflöte: 2., 25.
- Offenbach, Orpheus in der Unterwelt: 8. (P), 15., 23. ML: Chung, I+B: Dijkema, K: Tadéoni - Kemp, Vom Fischer und seiner Frau: 13., 14., 28.
Altenbur...
Man schreibt den August 1756, da steht Marianne Pirker als Mandane in Niccolò Jommellis «Artaserse» noch auf der Bühne der Stuttgarter Hofoper. Zwei Wochen später wird sie zusammen mit ihrem Mann, dem Geiger Franz Pirker, verhaftet und – der Willkür des württembergischen Herzogs Carl Eugen ausgeliefert – acht Jahre lang eingesperrt, zunächst auf dem Hohentwiel,...
