Melancholie des Südens
Des künftigen Dogen Simon Boccanegras Braut scheidet auf eben jener steinernen Bahre aus der Welt, auf die sich der Gebieter über Genua ein Vierteljahrhundert später ebenfalls zum Sterben niederlegen wird. So schließt sich für Regisseur Richard Jones ein von tiefer Melancholie gezogener Kreis. Am Beginn steht das Eheverbot Fiescos und Marias gram -erfüllter Tod, am Ende das Hinscheiden des durch Gift hingerafften genuesischen Staatsoberhaupts.
Die Ausrufung des jungen Gabriele Adorno als dessen Nachfolger erscheint angesichts der Rankünen, die diesen Schritt begleiten, als kaum glaubwürdiger und eher belangloser Epilog. Zwar hatte in der Ratsszene zunächst die Begeisterung des risorgimento Oberhand gewonnen – Verdi bietet dazu noch einmal alle denkbare Emphase auf. Doch stimmt Jones’ düstere Sicht mit jenem tiefen Verdruss über die politischen Verhältnisse überein, die Verdi mitunter schwarz für Italien sehen ließen. Ob Adorno aus Liebe die Standesschranken durchbricht oder Fiesco final Boccanegras Format begreift und nun selbst zur Versöhnung der sozialen Gegensätze beiträgt: Das utopische Moment scheint auf wie ein Silberstreif am Horizont.
Indessen bleibt ganz und gar fraglich, ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Michael Kaminski
Herr Zielke, die erste Information auf Ihrem Facebook-Account lautet «Ich bin 1,87 Meter groß». Warum ist das so wichtig?
Der Eintrag ist 20 Jahre alt, glaube ich. In den Sozialen Netzwerken wird ja Selbstdarstellung großgeschrieben. Hobbys wie Reiten, Reisen – da fand ich eine solche Banalität ganz passend.
Wie wichtig ist Social Media in Ihrem Beruf?
Sehr...
Gelacht?» «Kein bisschen.» Die Antwort ist einigermaßen desaströs für einen Spaßmacher, dabei hatte sich Truffaldino, der Narr, doch so ins Zeug gelegt, um den kranken Prinzen zum Lachen zu bringen. Als aufgebrezelte Krankenschwester war er auf die Bühne gesprungen, mit Polsterhintern und bald sichtbar werdendem Riesen-BH, und hatte sich selbst eine Spritze in den...
Camille Erlanger gehört zu den zahllosen Komponisten, deren Werk in toto der Furie des Vergessens anheimfiel. Die neun Opern des Parisers elsässisch-jüdischer Herkunft sind in ihrem Schwanken zwischen Naturalismus und Symbolismus, Wagner-Nachfolge und Impressionismus typisch für das französische Fin de Siècle. Nachdem Guillaume Tourniaire 2023 beim Wexford-Festival...
