Meister des Handwerks
Er kann es noch. Und wie! Während die Berliner Staatsoper gerade seinen Wagner-Zyklus demontiert (und die Komische Oper seinen Mozart-Zyklus entsorgt), hat Harry Kupfer an der Finnischen Nationaloper «Parsifal» inszeniert. Das Bühnenbild stammt, wie könnte es anders sein, von Hans Schavernoch. Und erinnert mit seiner hydraulisch erigierenden Speerspitze, auf der Amfortas den Gral enthüllt, an die Produktion, die das Dream-Team der achtziger und frühen neunziger Jahre 1991 Unter den Linden herausbrachte.
Auch sonst ist vieles ähnlich: Klingsor muss den Speer mit zuckenden Händen zwischen seinen Beinen halten, damit wir verstehen, dass die Waffe ersetzt, was ihm dort fehlt. Und die Blumenmädchen, die in Berlin noch recht zaghaft und keusch von Fernsehbildschirmen lächelten, werfen jetzt verruchte Blicke aus einer Breitwand-Video-Installation, in der suggestiv Mittelfinger geleckt und Brüste entblößt werden. Das Softsexfilmchen bleibt der einzige Ausrutscher an diesem Abend, der sonst erstaunlich intensiv ist und in seinen stärksten Momenten, und davon gibt es eine ganze Menge, Kupfers besten, lange zurückliegenden Arbeiten kaum nachsteht.
Mit einem nicht unerheblichen ...
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