Klangrede
Köln hat einen neuen «Idomeneo» zum Hören. Weniger einen zum Hinsehen. Das hat zwei Gründe: Erstens ist Mozarts Oper ohnehin schwierig zu inszenieren; zweitens fällt Christoph Nel und seinem Bühnenbildner Jens Kilian nichts Nachhaltiges dazu ein, wie erstgenanntem Übel abzuhelfen wäre. Die Bühne auf der Bühne im ersten Akt klärt zwar die Fronten zwischen einer während der Ouvertüre als Vorgeschichte eingepflanzten Folterszene um Idomeneo und der auf der großen Bühne verorteten, ungetrübten kretischen Welt Idamantes.
Insgesamt wird dem Zuschauer aber einiges an Ratlosigkeit abgenötigt; denn mehr als einzelne Symbole, denen wir spätestens im dritten Akt wieder begegnen, mehr als ein paar psychoanalytisch angehauchte Ideen hat diese Inszenierung nicht zu bieten. Hernach gab es dafür eine gehörige Buh-Quittung. Dass Nel vor allem in der Figurenführung scheiterte, konnte jeder nachvollziehen, der die eigene Augenklappe für zwei, drei Minuten fallen ließ, um sich ganz der Musik zuzuwenden. Danach nämlich standen die Figuren immer noch am selben Ort und in gleicher Haltung.
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