Glanert: Der Spiegel des großen Kaisers
Detlev Glanerts musikalischer Stil teilt sich dem Hörer unmittelbar mit und kommt selbst bei Kindern bestens an («Die drei Rätsel», Bonn 2004). «Scherz, Satire und tiefere Bedeutung» entpuppte sich als ein regelrechter Coup auf deutschen Theaterbühnen. Nun offeriert Gelsenkirchen den «Spiegel des großen Kaisers» – als drittes Haus –, wobei sich noch in der besuchten späten Vorstellung die Emotionen des Werks stark vermittelten.
«Der Spiegel des großen Kaisers» am Musiktheater im Revier gleicht – unterstützt von der Inszenierung Rosamund Gilmores – einem Mysterienspiel. In der Regentschaft des Stauferkaisers Friedrich II. muss man sich nicht auskennen, um sein Bühnen-Ego deuten zu können. Wie Wotan in «Rheingold» nach Welterkenntnis strebend, verliert er seine eigentlichen Pflichten aus den Augen. Die schauerliche Realität, mit der er schließlich doch konfrontiert wird, lässt ihn sein Elfenbeinturm-Dasein erkennen, welches er dennoch weiterhin verteidigt. Ein Armenarzt macht ihm seine Verantwortung klar: «Du hast die (bestehende) Ordnung nicht geändert.»
So sicher war sich der Kaiser seines herrscherlichen Selbstbewusstseins aber auch zuvor nicht, als dass er hätte widerstehen ...
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