Glanert: Der Spiegel des großen Kaisers
Detlev Glanerts musikalischer Stil teilt sich dem Hörer unmittelbar mit und kommt selbst bei Kindern bestens an («Die drei Rätsel», Bonn 2004). «Scherz, Satire und tiefere Bedeutung» entpuppte sich als ein regelrechter Coup auf deutschen Theaterbühnen. Nun offeriert Gelsenkirchen den «Spiegel des großen Kaisers» – als drittes Haus –, wobei sich noch in der besuchten späten Vorstellung die Emotionen des Werks stark vermittelten.
«Der Spiegel des großen Kaisers» am Musiktheater im Revier gleicht – unterstützt von der Inszenierung Rosamund Gilmores – einem Mysterienspiel. In der Regentschaft des Stauferkaisers Friedrich II. muss man sich nicht auskennen, um sein Bühnen-Ego deuten zu können. Wie Wotan in «Rheingold» nach Welterkenntnis strebend, verliert er seine eigentlichen Pflichten aus den Augen. Die schauerliche Realität, mit der er schließlich doch konfrontiert wird, lässt ihn sein Elfenbeinturm-Dasein erkennen, welches er dennoch weiterhin verteidigt. Ein Armenarzt macht ihm seine Verantwortung klar: «Du hast die (bestehende) Ordnung nicht geändert.»
So sicher war sich der Kaiser seines herrscherlichen Selbstbewusstseins aber auch zuvor nicht, als dass er hätte widerstehen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im auf DVD konservierten Feature «The Making of a Maestro», das die BBC 1997 wenige Wochen nach Georg Soltis Tod ausstrahlte, sieht man den Dirigenten bei der Probe zu Bartóks Cantata profana «Die Zauberhirsche» im prachtvollen Jugendstil-Konzertsaal der Budapester Franz-Liszt-Musikakademie. Das Podium platzt aus den Nähten, Musiker und Chorsänger sitzen und stehen...
Am Prager Nationaltheater gibt es in letzter Zeit mehr Opern-Uraufführungen als fast überall sonst in Europa. Doch ist diese Häufigkeit allein schon Beleg für ambitionierte Musiktheaterarbeit? Immerhin: Es waren auch Erfolge dabei. Im vergangenen Jahr zum Beispiel die Eishockey-Oper «Nagano» des Prager Komponisten Martin Smolka, die in ihrer fulminanten Mischung...
Vierzig Zugminuten vom Bahnhof Zoo entfernt liegt die Stadt, die dem Berliner Umland den Namen gab. Obwohl mitten «in der Pampa», geschieht in Brandenburg an der Havel musikalisch eine ganze Menge: Der charismatisch-arbeitswütige Generalmusikdirektor Michael Helmrath würde «die Provinz» wohl nie als Entschuldigung für mangelhafte Qualität akzeptieren. So hat der...
