Mehltau

Naxos hat Kálmán mit einer neuen «Csárdásfürstin» keinen ­Gefallen ­getan

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Die «Gräfin Mariza» hält manches Bonmot parat. Eines davon: «Denn deine Leidenschaft brennt heißer noch als Gulaschsaft». Wenden wir dies als Maßstab auf die Neueinspielung der «Csárdásfürstin» an, werden wir uns rasch wieder enttäuscht von ihr abwenden. Die Fürstin lahmt, ihr fehlt es an Witz, an Charme, an Koketterie. Altmeister Richard Bonynge bekommt das Slowakische Radio-Sinfonie-Orchester nur selten auf seine Seite. Gewiss, die kleinen – und teilweise großen – Temporückungen konnte er den Musikern vermitteln, doch auf fast allen Saiten liegt Mehltau.

Kein Glanz, kaum Würze. Vor allem: Wo ist die Leichtigkeit? Das Intermezzo zum dritten Akt kann kaum als Werbung für die Operette durchgehen. Wie brav es klingt. Wer hat eigentlich den Holzbläsern den Esprit ausgetrieben?
Yvonne Kenny als Sylva posaunt sich unliebsam durch ihr «O jag’ dem Glück nicht nach». Eine Erbin von Sari Barabas oder auch der Rothenbergerin anno 1971 ist sie gewiss nicht. Ihren aufwärts gerichteten Intervallgängen fehlt es oft am rechten Timing, stellenweise an Intonationssicherheit. Kenny meidet es, die Kantilenen im erforderlichen Maße auszukosten und die ausklingenden Spitzentöne zu bremsen. Man mag ihr ...

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Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Platten, Seite 65
von Christoph Vratz

Vergriffen
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