Massenet: Werther

Brüssel, Massenet: Werther

Opernwelt - Logo

Die verengende Transposition von Goethes epochalem Briefroman aus dem Jahr 1774 in das schlichte Handlungsschema einer «Literaturoper» eröffnete der Musik neue Weite: Räume der Seele und gewiss auch des Körperlichen in üppiger Fin-de-Siècle-Pracht. Neben der Fassung mit ­einem Tenor in der Titelpartie sah Massenet in einer weiteren Ver­sion einen ­Bariton als Werther vor. Nachdem das Wiener Festival KlangBogen beide Les­arten gegenüberstellte, folgt nun auch die Brüsseler Aufführungsserie diesem Muster (Tenor und Bariton alternieren).

Ludovic Tézier verstand es bei der Premiere, den leicht verwegenen und psychisch nicht ganz stabilen Sturm- und Drang-Literaten vorzüglich zu beglaubigen. Wie eine Rokokofigur, empfindsam-bescheiden, dann wieder frühbürgerlich emanzipiert, schwebt Charlotte durchs Stück: morgenfrisch und energisch die Mezzosopranistin Jennifer Larmore, mit wohldosierter Intensität und Geschmeidigkeit. Zusammen sorgen sie für intensive Intimität und Theatralik im kurzen Augenblick des vom Tod bedrohten Liebesglücks.
Guy Joostens Produktion ist durchgängig in einem Biedermeier-Winkel angelegt, den Johannes Leiacker aus einer mit großen glatten Platten verkleideten Ecke ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2008
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 50
von Frieder Reininghaus

Vergriffen
Weitere Beiträge
Editorial

Eine gute, selbst eine gut ausgebildete Stimme macht noch keine Karriere. Heute weniger denn je. Wer auf dem globalen Klassikmarkt wahrgenommen werden will, muss eine Nase fürs Business, für Marketing und PR haben. Er muss bereit sein, sich als Produkt zu vermarkten und vermarkten zu lassen. Das Image, das visuelle Profil wird dabei zum entscheidenden Faktor: Zum...

Verführung im Paradiesgarten

«Dieses Libretto halte ich, was Erfindung und Poesie betrifft, für mein bestes: wollüstig, ohne lasziv zu sein, fesselte es das Publikum ... von Anfang bis Ende.» So Lorenzo Da Ponte in seiner Autobiografie. Allein schon diese selbstbewusste Einschätzung müsste neugierig machen auf Vicente Martín y Solers Dramma giocoso «L’arbore di Diana», das im Oktober 1787...

Vivaldi: L'Olimpiade

«L’Olimpiade» wurde als erste Oper von zahlreichen, in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts in einem Piemon­teser Kloster und einer Privatbibliothek aufgefundenen Vivaldi-Autographen 1939 wieder aufgeführt. Erst jetzt wagte Heidelberg – nach Vivaldis «Motezuma» im Vorjahr – zum «Winter in Schwetzingen» im dortigen Barocktheater die deutsche Erstaufführung der...