Die Kunst des Diskreten

Francis Biggi kleidet Angelo ­Polizianos «Fabula di Orpheo» ­musikalisch ein

Opernwelt - Logo

Ein Aufruf zur Stille ist immer gut. Auch ­Angelo Polizianos Auseinandersetzung mit dem Orpheus-Stoff beginnt mit einem «Silenzio». Irgendwie ist dieses Gebot bezeichnend für die gesamte Aufführung des Ensembles «La Compagnia dell’Orpheo» unter Francis Biggi. Durchweg siegt die Kunst des Diskreten. Es ist eine Musik, die über weite Strecken ohne Forte auskommt, in der die Zwischenreiche von Pianissimo bis Mezzoforte so vielseitig sind, dass man eine Wendung ins Laute nicht wirklich vermisst.


Eigentlich handelt es sich bei Polizianos «Fabula di Orpheo» von 1494 um ein Schauspiel, das weniger als Tragödie angelegt ist, als vielmehr in der Tradition der satirischen «Fabula» nach griechischem Vorbild steht. Biggi und seine «Compgania» haben dieses Werk nun musikalisch eingewandet. Dabei entstand eine Mischung aus Musik, Sprachpoesie und szenischer Umsetzung, wobei Letztere dem CD-Hörer natürlich vorenthalten bleibt. Mit dieser Musikalisierung verbunden ist ein Diskurs über Mythos und Gegenwart. Wie kann der Mythos heute, durch die Brille der Vergangenheit, klingen, mit welchen Mitteln lässt er sich gleichermaßen zeitlos wie zeitbezogen aufarbeiten?
Die Qualität des Musikalischen gerät ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2008
Rubrik: CDs, Seite 55
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Klassik aus dem Internet

Als vor einem Vierteljahrhundert die Langspielplatte von der Compact Disc abgelöst wurde, waren nicht wenige Klassikkunden der Vinyl-Generation scho­ckiert. Die Vorbehandlung der schwar­zen 33-Zentimeter-Scheiben mit Antistatiktuch, das Aufsetzen der Nadel, die stille Rotation des schweren Plattentellers, der Seitenwechsel – all das hatten die Aficionados der...

Offenbach: Die Rheinnixen

Wieder ist es – nach Trier und Cottbus – eine der kleineren deutschen Bühnen, die sich der 2002 in Montpellier wiederbelebten «Rheinnixen» von Jacques Offenbach annimmt. Kapellmeister Hartmut Brüsch hat das mit dreieinhalb Stunden reiner Spieldauer überlange Werk auf (inklusive Pause) zweieinhalb Stunden gekürzt und damit eine prak­tikable, handhabbare Fassung...

Macht des Prinzips

Christof Nel ist ein Meister des psychologischen Symbolismus. Es passt zu diesem Regisseur, dass er im Programmheft der «Don-Carlo»-Neuproduktion bekennt, der Regie-Fachausdruck der «szenischen Lösung» sei ihm zuwider. Richtig so. Opernszenen gehören nicht punktuell «gelöst», sondern all ihre Details auf das gedankliche Großkonzept bezogen. Unvergessen ist, wie Nel...