Offenbach: Die Rheinnixen
Wieder ist es – nach Trier und Cottbus – eine der kleineren deutschen Bühnen, die sich der 2002 in Montpellier wiederbelebten «Rheinnixen» von Jacques Offenbach annimmt. Kapellmeister Hartmut Brüsch hat das mit dreieinhalb Stunden reiner Spieldauer überlange Werk auf (inklusive Pause) zweieinhalb Stunden gekürzt und damit eine praktikable, handhabbare Fassung geschaffen, ohne dem Stück Wesentliches zu nehmen. Auch in dieser verknappten Version bleibt der Facettenreichtum der Partitur erhalten.
Orchester, Chor und Solisten liefern eine ebenso vitale wie konzentrierte Wiedergabe, bis das musikalisch glanzvolle Finale das Publikum geradezu von den Sitzen reißt.
Anders als die Trierer Produktion, in der die Grausamkeiten des Krieges blutig ausgestellt wurden, setzen Regisseur Peter Grisebach und sein Ausstatter Marcel Zaba auf Bilder, die im Rahmen des ästhetisch Unverfänglichen bleiben. Die Massenvergewaltigung durch die Landsknechte etwa wird eher symbolhaft angedeutet als realistisch vorgeführt. Grisebach und Zaba beweisen, dass Offenbachs Musik keine szenische Übersetzung ins Brutale braucht, auch keinen Transfer in unsere Gegenwart. Das idealisierte Biedermeier, in dem das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn große Opernhäuser sich der Operette widmen, darf man Besonderes erwarten. Denn der Einsatz vokaler und orchestraler Veredelungsmittel impliziert zugleich den Anspruch, den Stücken einen Erkenntnisgewinn über den puren Unterhaltungswert hinaus abzuverlangen. An der Dresdner Semperoper war das zuletzt mit Emmerich Kalmans von Peter Konwitschny in die...
Kurz vor den Festtagen gab es eine große Eruption in und um Köln. Es sollen, so heißt es, Steine der Erleichterung gewesen sein, die die Kulturschaffenden der Stadt im Rhein versenkt haben. Die Kölner Oper hatte endlich einen neuen Intendanten beschert bekommen. Es ist – ein Kölner.
Was elegant im Ruckzuckverfahren erledigt werden sollte, entpuppte sich über...
In der Oper wird gesungen, im Melodram wird gesprochen. Schon lange hat sich diese merkwürdige Gattung aus dem breiten Musikleben verabschiedet, während die Oper als künstlerische Ausdrucksform nicht totzukriegen ist. Viele kennen Melodramen heute nur noch als experimentelle Werke – wie Schönbergs «Pierrot lunaire», der 1911 das Tor zur Moderne weit aufstieß....
