Maskentanz
Ein «Mozart»-Orchester wünschte sich Mauricio Sotelo für Lorca. Kleiner Streicherkorpus (vier Violinen, drei Bratschen, drei Celli, Kontrabass), charakteristisches Holz (zwei Flöten, drei Klarinetten, Oboe und Fagott). Das Blech (zwei Hörner, zwei Posaunen, Trompete) ist um eine Tuba erweitert. Dazu zwei Harfen, Pianoforte (bzw. Celesta), Pauken. Das ist der «alte» Kern des «El Público»-Ensembles. Aber dann mischen auch noch ein Tenorsaxofon, ein Knopfakkordeon, zwei Schlagwerker mit.
Den Klang der Instrumente spiegelt, weitet, verhüllt, verfremdet Sotelo durch digital erzeugte Sounds, die ein Toningenieur live über 24 Surround-Lautsprecher einspeist. Ihr spezifisches Aroma, ihre unverwechselbare Aura freilich gewinnt die Musik aus einer anderen Quelle: den Rhythmen und Melodien des canto jondo, des andalusischen Flamenco-Gesangs.
Klassik und Moderne, Archaik und Avantgarde, Folklore und Elektronik verschmelzen in
einem schwebenden Resonanzraum, der so ungreifbar, so opak, so geheimnisvoll bleibt wie der dunkel strahlende Text, dem er sich verdankt. Es geht um vieles in «El público», dieser wilden, rohen, surrealen, nie abgeschlossenen Schauspielpartitur, die Lorca kurz vor seinem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Albrecht Thiemann
Erik Petersen hat in Magdeburg seine Bühnenkarriere gestartet, als Jugendlicher, in der Statisterie. Nach einigen beruflichen Umwegen und anschließenden Lehrjahren beim Musical-Spezialisten Gil Mehmert ist der 27-Jährige nun als Regisseur an «sein» Theater zurückgekehrt und hat mit Gespür für Timing und Spaß am Slapstick George Gershwins «Crazy for You» inszeniert...
Die letzte gründliche Weber-Biografie, verfasst von dem englischen Musikkritiker John Warrack, erschien erstmals 1968. Inzwischen haben die Arbeiten an der neuen Gesamtausgabe unsere Kenntnis von Webers Leben und Werk um zahllose bislang unbekannte Quellen vermehrt. Die Schriften, Tage- und Kassenbücher und die Korrespondenz des Komponisten sowie weitere Dokumente...
Der Befund ist kaum neu: So wie das Schauspiel immer weniger seinen Texten vertraut und durch den Griff der Protagonisten nach dem obligatorischen Mikrofon zum Musiktheater wird, so wird in der Oper der Vertrag mit der Partitur brüchiger. Solange aber Uraufführungen als Auftragswerke in den herkömmlichen Opernbauten und unter den üblichen Bedingungen genormter...
