Endspiel
An vier Abenden und vier verschiedenen Orten spielte das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg im September 2012 «Moses und Aron»: in der Berliner Philharmonie, im Kultur- und Kongresshaus Luzern, «zu Hause» im Konzerthaus Freiburg, schließlich im Palais de la Musique et des Congres Strasbourg. Die von Sylvain Cambreling, dem langjährigen Chefdirigenten (1999-2011), geleiteten Aufführungen wurden enthusiastisch gefeiert.
Und die auf Basis dieser Konzerte produzierte Doppel-CD schaffte es nicht nur in die Bestenliste des Preises der Deutschen Schallplattenkritik, sie wurde auch für einen Grammy nominiert (und hätte einen verdient gehabt). Doch selbst der Triumph mit Schönbergs Opernoratorium sollte die Katastrophe nicht verhindern: Sieben Tage nach der letzten Vorstellung beschloss der Rundfunkrat des SWR die Auflösung des Baden-Baden/ Freiburger Orchesters: 2016 wird es seine Eigenständigkeit verlieren und mit dem Radio Sinfonieorchester Stuttgart zwangsvereinigt.
Wenn man jetzt den Mitschnitt des Fragment gebliebenen «Endspiels» (Hans Meyer) hört, wenn man die ungemein plastische Gestaltung, die strukturelle Klarheit und klangsinnliche Wucht, kurzum: die beispielhafte ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Albrecht Thiemann
Der Befund ist kaum neu: So wie das Schauspiel immer weniger seinen Texten vertraut und durch den Griff der Protagonisten nach dem obligatorischen Mikrofon zum Musiktheater wird, so wird in der Oper der Vertrag mit der Partitur brüchiger. Solange aber Uraufführungen als Auftragswerke in den herkömmlichen Opernbauten und unter den üblichen Bedingungen genormter...
Ob das Städtchen wirklich existiert, jener Küstenort, zu dem der Pariser Buchhändler Michel sich aufmacht? Den Bahnhof, auf dem er ankam, gibt’s schließlich bald auch nicht mehr. Michel ruht nicht eher, bis er die junge Frau wiederfindet, die er drei Jahre zuvor hat singen hören: ein Liebeslied, das durch ihr geöffnetes Fenster zu ihm drang. Doch womöglich ist auch...
Die Hoffnung, dass alles schon irgendwie gutgehen wird – in Annie Proulx’ Wyoming-short stories wird sie kunstvoll langsam, aber gnadenlos zermalmt. Vielleicht ist es das, was Charles Wuorinen bei der Veroperung von «Brokeback Mountain» (siehe OW 3/2014) mit seinen unwirschen Orchestertexturen einfangen wollte. Sie treffen den Nerv der zermürbenden Streitereien,...
