Marmor und Müll
Rossinis «Le Siège de Corinthe», jenes Bühnenwerk, mit dem das diesjährige Festival in Pesaro eröffnet wurde, war vor 200 Jahren seine erste Oper für das französische Publikum. 1826 in Paris uraufgeführt, stellte sie zugleich eine französische Neufassung des für Neapel komponierten «Maometto II» dar. Das Stück entstand nicht einfach durch Übersetzung, sondern durch umfassende Anpassung an den an der Seine herrschenden Geschmack. Aus dem italienischen Dramma per musica wurde eine Tragédie lyrique.
Die Handlung verlagert sich von der venezianischen Stadt Negroponte nach Korinth, das eher an das antike Griechenland erinnert. Hier belagert Mahomet II. die Stadt, deren Gouverneur Cléomè-ne daraufhin zum Widerstand aufruft. Der griechische Held Néoclès liebt dessen Tochter Pamyra, die aber auch vom Aggressor begehrt wird. Als die Stadt fällt und dessen Einwohner den osmanischen Horden erliegen, entscheidet sie sich für den Tod, während Korinth in Flammen steht. Entstanden in der Zeit des Philhellenismus, als der griechische Unabhängigkeitskampf gegen das Osmanische Reich in ganz Europa eine immense Leidenschaft entfachte, wurde die Oper für Paris auch musikalisch erweitert. Orchester und ...
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Opernwelt November 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Stefano Nardelli
Niemand war am Musiktheater im Revier bisher länger Generalintendant als Michael Schulz. Von 2008 bis 2025 lenkte der Regisseur das Theater der dauerkriselnden Ruhrgebietsstadt, und bis zum Schluss seiner Ära, die 2025 etwas abrupt endete (sein Vertrag lief eigentlich bis 2028), konnte man kaum von Ermüdungserscheinungen sprechen. Oder davon, dass programmatisch...
Einmal in Weiß, einmal in Grellbunt: In seiner Inszenierung der Eifersuchtsdramen «Cavalleria rusticana» und «Pagliacci» setzt Karsten Wiegand auf größtmöglichen Kontrast. Mascagnis Einakter lässt der Intendant des Staatstheaters Darmstadt, der auch sein eigener Bühnenbildner ist, vor einem Kirchenportal aus weißem Naturstein mit breitem Treppenaufgang spielen....
Alle Wege bahnen sich vor mir, weil ich in der Demut wandle». Ob Johann Wolfgang von Goethe, aus dessen Feder dieser Aphorismus stammt, historisch mehr als eine Zeitgenossenschaft mit dem Kastraten Giovanni Rubinelli (vermutlich 1747–1817) vereinte, bleibt so unbekannt wie so vieles in Rubinellis Leben, bis hin zu seinem diskreten Rückzug ins Dunkel historischer...
