Blaue Utopie, braunes Erbe
Niemand war am Musiktheater im Revier bisher länger Generalintendant als Michael Schulz. Von 2008 bis 2025 lenkte der Regisseur das Theater der dauerkriselnden Ruhrgebietsstadt, und bis zum Schluss seiner Ära, die 2025 etwas abrupt endete (sein Vertrag lief eigentlich bis 2028), konnte man kaum von Ermüdungserscheinungen sprechen. Oder davon, dass programmatisch die Luft heraus sei aus dem erstaunlich gut laufenden Theaterkonstrukt mit Musiktheater, Ballett und dem (inzwischen eingesparten) Puppentheater.
Im Gegenteil, noch in seiner letzten Spielzeit 2024/25 gelang es Schulz, die deutsche Erstaufführung von Kaija Saariahos «Innocence» in der Regie von Elisabeth Stöppler an sein Haus zu holen. Ein echter Coup, mit dem er etlichen größeren und finanzkräftigeren Häusern zuvorkam. Generell programmierte Schulz klug, kannte keine Berührungsängste zu populären Narrativen der Stadt (Schalke 04!) und brachte immer einen cleveren, originellen Spielplan zustande. Krasse formale Experimente kamen ihm nicht ins Haus, er achtete stets auf Qualität, Spielbarkeit und die Pflege des Ensembles, was ihm den hohen Identifikationsgrad eines treuen Publikums sicherte.
Auch die vergangene Spielzeit, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Regine Müller
Der Titel erinnert entfernt an Descartes: «I AM.» Ich bin. Mag das Konjunktionaladverb «also» fehlen, und mag Susanne Kennedy ihre Saarbrücker Poetikvorlesungen für Dramatik, die nun gesammelt im Berliner Alexander Verlag erschienen sind, mit dem (in Klammern gesetzten) charakteristischen Zusatz «a strange loop» benannt haben, so wird bei der Lektüre doch zugleich...
Einmal in Weiß, einmal in Grellbunt: In seiner Inszenierung der Eifersuchtsdramen «Cavalleria rusticana» und «Pagliacci» setzt Karsten Wiegand auf größtmöglichen Kontrast. Mascagnis Einakter lässt der Intendant des Staatstheaters Darmstadt, der auch sein eigener Bühnenbildner ist, vor einem Kirchenportal aus weißem Naturstein mit breitem Treppenaufgang spielen....
Voyage intime», lautete der Titel einer 2023 erschienenen CD, auf der Sandrine Piau und ihr vorzüglicher Klavierpartner David Kadouch eine faszinierende Reise ins Innere der Musik an vergangene, ersehnte oder gar unerreichbare Orte unternahmen. Jetzt ist mit dem Titel «Contes» («Geschichten» oder «Märchen») die zweite Folge des Diptychons erschienen, die die...
