Manifest des Menschlichen
In welcher Weise an diesen Uomo universale erinnern? Wie ihm in der Vielfalt seiner Begabungen und Betätigungen gerecht werden? Benjamin Appl, einer der letzten Schüler Dietrich Fischer-Dieskaus und ihm über mehrere Jahre hinweg verbunden, hat eine charmante Idee: die Vielseitigkeit seines Lehrers einfach zum Programm zu machen. So ist das Buch mit CD, das als «Hommage à Dietrich Fischer-Dieskau» erschienen ist, eine Fundgrube sondergleichen geworden.
Wir sehen Bilder, gemalt von einem Mann, der mit der Bezeichnung «Sänger» nur peripher erfasst wäre: die Mutter, die Kinder, der Pianist Gerald Moore, Benjamin Britten, das Haus in Berg am Starnberger See, schließlich Selbstporträts und immer wieder Karikaturen. Alles gemalt und gezeichnet mit sicherer Hand, technisch so weit gediehen, dass es zur (oft recht düsteren) Aussage kommen kann. Fischer-Dieskau begegnet uns auch als Mann des Wortes, der sangbare Übersetzungen schrieb (für Claude Debussys «Beau soir» etwa oder für den «Bugles sung» aus Brittens «War Requiem»), der auch dichtete. «Aus Schmerzen und Freuden geboren» lautet solch ein Gedicht, entstanden 1948 und ohne Fischer-Dieskaus Kriegserfahrung wohl nicht denkbar. Sein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 36
von Clemens Haustein
Aus Romanen kennt man die verräterische Versicherung: «Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.» Bloß keine Schadensersatzforderungen, alles garantiert fiktiv! Eine ähnliche Schutzbehauptung würde heute wohl auch der Oper «La libertà contenta» (Die zufriedene Freiheit) von 1693 vorausgehen, dem siebten Gemeinschaftswerk des Komponisten und Diplomaten...
Pathos und Größe reizen zu Spott und Witz. Warum? Weil der Rezipient, der sich dem Großen, vielleicht auch dem Aufgeblasenen ausgesetzt sieht, innere Hygiene betreiben muss. Das Große will uns vereinnahmen, der Spott schafft Distanz und sichert die geistige Autarkie. Richard Wagners Person und Wirken reizen bis heute zur humoristischen Brechung. Seine Vorstellung...
Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten. / Das heißt doch Auswanderer. / […] Wir flohen. / Vertriebene sind wir, Verbannte. (Bertolt Brecht)
Rund 400.000 der Anfang 1933 in Deutschland lebenden Juden waren deutsche Staatsbürger, dazu kamen etwa 120.000 meist polnischstämmige Einwohner mit längeren Aufenthaltstiteln. Nach der Machtübernahe der...
