Der ganz normale Wahnsinn

Rossini ist en vogue: Warschau und Wuppertal zeigen neue Lesarten des «Barbiere», am Theater Bielefeld ist eine kluge Deutung von «La gazza ladra» zu erleben, Mainz bemüht sich um «La Cenerentola»

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WARSCHAU: Il barbiere di Siviglia
Ach ja, die Liebe. Wo sie hörbar hinplumpst, bleibt sie liegen (nicht immer, aber meistens), und wer ihr verfallen ist, lässt sich auch durch rationale Argumente nicht mehr zur Vernunft bringen. Und wer wüsste das besser als Berta, Bartolos schon leicht angegraute Gouvernante, die das brummende Brunftgeräusch, wiewohl sie es seit einer halben Ewigkeit nicht mehr am eigenen Leib erlebt und gefühlt hat, doch aus nächster Anschauung kennt.

In ihrer munter dahintänzelnden Arie im zweiten Akt von Rossinis «Il barbiere di Siviglia» bringt sie es auf den Punkt: Ein Fieber ist die Liebe, atemlos-manisches Staunen, ein Sehnen und Verlangen mit lauter süßen Schmerzen.

Wenn Elżbieta Wróblewska dieses A-Dur-Allegro in der Warschauer Kammeroper mit ihrem voluminös-warmen Sopran anstimmt, verkündet sie eigentlich keine Neuigkeit. Schon die gut zwei Stunden zuvor waren so durchgeknallt, so schräg und schrill und schreiend komisch, dass sich wohl nur ein gutgläubiger Purist davon überzeugen ließe, dass der schönsten Hauptsache der Welt auch eine Spur von Erhabenheit innewohnen könnte. Regisseur Grzegorz Chrapkiewiecz, der mit dieser Arbeit sein 45-jähriges ...

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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten, Regine Müller

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